Aber noch waren sie selbst darin nicht fest geworden, ja in Vielen sogar schon Zweifel aufgestiegen, ob ihre alten Götter nicht mit ihnen zürnten, und der neue keine Macht habe sie zu schützen, denn ansteckende Krankheiten wütheten unter ihnen und religiöse wie politische Streitigkeiten hatten Familien und Stämme entzweit, bei denen nur der harmlose gute Charakter der Insulaner selber oft blutiges Ende verhinderte. Da warfen die Franzosen ihre Missionaire herüber, die einen anderen Gott, einen anderen Glauben brachten, und während die Evangelischen Priester die Neugekommenen als Kinder des Satans und Götzenanbeter ausschrieen, verdächtigten die Letzteren ihre, ihnen allerdings nicht geneigten Vorgänger, und warnten die armen Eingeborenen, denen der Kopf wirbelte bei den neuen Dogmen und Gebräuchen, auf dem betretenen Wege fortzugehn — denn er führe genau zu dem Platz den sie bei Wegwerfung ihrer Götzen hätten vermeiden wollen — nämlich zur Hölle.

Doch fort mit all solchen traurigen Betrachtungen, soweit sie nicht zu nahe mit den Personen selber verknüpft sind, mit denen wir es hier zu thun haben — sie thun weh, und man möchte da manchmal mit Keulen drein schlagen, die Menschen doch nur — das wenigste was man von ihnen verlangen kann — vernünftig zu machen.

So vor denn, Du bunte Schaar, und grüße die Majestät, denn vor dem Hause flattert im frischen Morgenwind das Tahitische Banner, der einsame bleiche Stern im rothen Feld, und alle Fremden grüßen mit abgezogenen Hüten des Landes Königin.

Auch die Eingeborenen folgten, auf ein Zeichen ihres Missionairs, diesem Gebrauch, die wenigstens, die Hüte hatten — und begriffen vielleicht dabei heut’ zum ersten Mal weshalb sie die wunderlichen Dinger eigentlich trugen.

Pomare erhob sich, dankte mit freundlichem Nicken und ließ den Blick lange und forschend über die Menschenwogen gleiten, die ihren einfachen Palast umlagert hielten. Kaum aber zeigte sie sich so dem Volk, das in Liebe und Ehrfurcht an ihr hing, da rief ein alter Mann, ein Häuptling von Taiarabu, der unfern der Verandah stand:

»Pomare! unsere Königin, ia ore na oe!«[X] und wie der Schlag des Geschützes, der das Echo weckte in den Bergen, faßte den Ruf die Menge und laut wie der Brandung Donnerton klang das liebende Wort: »ia ore na oe!«

Pomare wollte reden, sie hob die Hand und öffnete den Mund, aber die Stimme versagte ihr — sie barg die Stirn in der linken Hand und wandte den Kopf, ihre Bewegung zu verbergen; da fiel ihr Blick auf die Fremden an ihrer Seite, auf die schwarzen Männer Gottes, auf die buntblitzenden Uniformen der Seeleute, und gewaltsam raffte sie sich zusammen, nicht schwach zu scheinen vor den Fremden.

Ein leiser Wink ihrer Hand rief Raiata, ihren »Sprecher« an ihre Seite und wie noch vor wenig Augenblicken ein wildes Meer von Köpfen herüber und hinüberwogend mit stürmischen Lauten die Luft erfüllt hatte, legte sich der Lärm im Augenblick und wechselte in Todtenstille, daß dumpf und dröhnend der fernen Brandung Rollen hörbar wurde über der Schaar, und wie ein Segen klang zu dem frommen Wort des Volks.

»Es ist der Königin Wunsch,« klang da die volle klare Stimme Raiatas, »daß die Verhandlungen dieses Tages mit Gebet beginnen.«

»Dazu geben wir unsere volle Beistimmung,« nahm da Einer der Missionaire rasch das Wort, »und wollen den ehrwürdigen Herren Rowe ersuchen das Gebet zu halten.«