Die Königin neigte ihr Haupt und während einer feierlichen Stille, in der das Athmen der Menge hörbar war, begann der fromme Mann sein lautes Gebet.

»Herr mein Gott, Deine Hand liegt schwer auf diesem Volk, Deines Zornes Wucht traf tief und schmerzlich das gebeugte Haupt, und unser Flehen steige jetzt auf zu Dir zu Ruhm und Preis, Jehovah, daß Du Dich erbarmen mögest unserer Noth.«

»Von über dem Meere her drohete dem friedlichen Strand Gefahr, Deiner Kinder frommer Sinn, wie Du ihn gnädig gelegt hast in unsere Hand, wird gefährdet durch der Papisten Wort und die eisernen Geschütze unserer Feinde, und Deine Hand nur kann uns retten vor Noth und Vernichtung, Jehovah!«

»Unsere Feinde sind stark — ihrer Waffen Macht trägt das Meer, und Nichts haben wir ihnen entgegenzusetzen als das fromme Wort — als Dein Wort o Herr, wie Du es uns gegeben in der heiligen Schrift — o Jehovah!« —

»Hier Herr ist ein Volk, ein zahlreiches Volk, auf das kein Strahl göttlicher Gerechtigkeit gefallen war in seiner Nacht; das seinen mühseligen Weg seit ungekannten Generationen, vielleicht seit dem Beginn des Götzendienstes unter Noahs Abkömmlingen in all der Finsterniß, in all dem Grausen schrecklichen Wahns seine dunkle Bahn gesucht — eines Wahnes der sich unter verschiedenen Verhältnissen aber sonst immer derselbe zeigte, und einen so gewaltigen Theil des menschlichen Geschlechts umfaßt, dessen vorragende Züge aber immer den Stempel des Fluchs getragen, in »Unreinigkeit und Blut.« — O Herr — hier — hier ist ein Volk, bei dem seit frühster ältester Zeit menschliche Opfer gebracht wurden — hier jener fremde Mummenschanz mit Götzenbild und Trug ist getrieben, Mummenschanz den die Betenden nicht einmal begriffen und nur gemacht den dunklen Geist der Seinen zu verwirren, ohne Trost zu bringen, ohne Ruh, und ohne nur das Herz im Entferntesten zu reinigen von der Sünde.« —

»In dieser entsetzlichen Zeit ein Schiff, weit weit am Horizont kommt in Sicht — dreitausend Meilen fuhr es über eine Wasserwüste und führt eine gewählte Schaar von Passagieren an Bord, die einem festen Ziel entgegenziehen — und was das Ziel? — Die Nachricht von Gottes Vaterhuld zu bringen einer verderbenden Welt, das Heil denen zu bringen, die bereuen und glauben und den mit Blindheit geschlagenen Heiden den Weg zu zeigen zu Gottes Paradies. Die Herolde, die fröhlichen Muthes ausgegangen diese göttliche Proclamation zu verkünden sind unsere Brüder — von der Thür jenes Heiligthums aus begannen sie ihren Weg der Gnade. Mit Liebe und Anhänglichkeit an ihr Vaterland, mit Aussicht auf Erwerb und Achtung daheim, mit Gesundheit und Freuden und Allem was dies Leben wünschenswerth machen konnte, entsagten sie ruhig dem Allen, rechneten Alles nur Verlust, wo sie des Vortheils theilhaftig werden konnten den Heiland zu predigen diesen, dem Untergang geweihten Inseln.«

»Sie waren auf Gefahr gefaßt, auf Noth und Hunger, auf stürmische See und blutgierigen Feind, auf Verfolgung der Götzenpriester und ihren Haß, auf blinden Wahn und alle Schrecken blinderen Aberglaubens; und Alles Alles haben sie besiegt, mit der Hülfe des Herren Zebaoth da droben und seiner Macht, und Jesus Christus seinem eingeborenen Sohn, und dem heiligen Geist in all seiner Herrlichkeit und unerschöpflichen Gnade. Aber — nicht gefaßt waren sie auf den Feind im Lager unter den eignen Brüdern — nicht gefaßt darauf daß ein anderes Christliches Reich seine Boten des Hasses und Aberglaubens senden würde in dies Inselland, das fromme Werk zu stören, zu verderben. Aber sieh, des Herren Hand ist stark auch in dem Schwachen, und wie der Widerstand den Gegendruck erhöht und stärker macht, so hat sich jetzt das ganze Volk erhoben wie ein Mann, zu zeigen daß es Gott verehrt in Seiner Herrlichkeit — aber auch nur in Seinem Wort, und von sich werfen will, was seinem Lande wie seinem Geiste Fesseln legen möchte zu Schmerz und Schmach.«

Pomare wandte den Kopf nach dem Redner, und das Blut schoß ihr in vollen Strömen in Stirn und Schläfe — es war als ob sie reden wollte, aber nach wenigen Secunden senkte sie wieder die Augen zu Boden und der Ehrwürdige Mann fuhr fort.

»Der Antichrist hat sich erhoben unter uns — nicht frei und offen aber trat er auf, dem ehrlichen Feind gegenüber der ehrliche Feind; nein schlau und heimlich schlich er herbei mit gleisnerischem Wort und Blick, fromme Worte auf den Lippen und Trug im Herzen. Wehe! Wehe über ihn, wehe wehe über Euch wenn Ihr ihm lauschtet was er Euch vorerzählt mit der Doppelzunge — der Fluch bliebe nicht aus, und was durch Gottes Hand gesäet in den langen Jahren der Trübsal und des Leides, das mähte des Teufels Hand nieder in einer schwarzen Stunde.«

»Das Gebet!« flüsterte einer seiner Amtsbrüder, denn die Königin hob wieder den Kopf und seufzte auf, wie von innerer Angst beklemmt.