Pomare blieb an Bord der Basilisk, bis eine Englische Fregatte, der Carysford, von Lord William Paulet befehligt, am 17. Juli 1844 in Papetee eintraf, und nach vorhergegangener Besprechung mit Gouverneur Bruat, die Königin nach Barbara auf Imeo, wo Tabara, ihr erster Gemahl wohnte, hinüberbrachte, dort die Entscheidung der Mächte ruhig abzuwarten.

England hatte indeß die Behandlung seines Consuls nicht so ganz ungeahndet können hingehn lassen, während die Französischen Klagen gegen ihn auch wohl durch zu viel Beweise bekräftigt wurden, sie ganz zu verwerfen. Die Französische und Englische Regierung deshalb, nicht einer so trostlosen Sache wegen einen Europäischen Krieg zu beginnen, vereinigte sich dahin, daß die erstere den Admiral Du Petit Thouars, der bei seiner Rückkehr in Toulon von dem jungen Volk enthusiastisch empfangen und mit einem Ehrensäbel beschenkt wurde, trotz seiner Vertheidigung das Kommando entzog; die Englische Regierung dagegen versprach Mr. Pritchard, der sich den Französischen Interessen zu feindlich gezeigt, nie wieder nach Tahiti oder einer von den Franzosen in Besitz genommenen Inseln zu senden.

Am 19. Juni 1847 erließen die beiden Großmächte England und Frankreich ebenfalls eine Deklaration, in welcher sie die Unabhängigkeit der Inseln von Huaheine, Raiatea, Bola Bola etc. – erklärten, wie zugleich unter §. 3 bestimmten, daß »kein Häuptling von Tahiti zu ein und derselben Zeit über jene Inseln regieren könne.«

Nicht allein daß die Macht der Pomaren auf Tahiti und Imeo gebrochen war, sondern die ihnen bis jetzt wenigstens tributpflichtigen Stämme wurden, um die Franzosen fern zu halten, ihrer Oberherrschaft jetzt ebenfalls entzogen, und der Königsstamm der Pomaren sah seinen Stern untergehn auf ewig.

Ueber den Schluß des Krieges, den die Eingeborenen mit so wackerem Muth und fabelhafter Ausdauer gegen die, ihnen an Waffen und Kriegskunst so weit überlegenen Fremden führten, sagt ein Missionsbericht vom Januar 1847 das folgende:

»Etwa Anfang December des vorigen Jahres entdeckte ein Eingeborener von Atiu über dem Hautaualager (dessen Thal unmittelbar hinter Papetee liegt und eine Passage durch das Innere zu den beiden anderen Lagern eröffnete) einen gangbaren Pfad eine Klippe hinauf, wo die Feinde eine Position nehmen konnten, das unter ihnen liegende Lager zu beherrschen. Er war von den Eingeborenen desertirt, und erbot sich in Papetee die Feinde für eine besonders bestimmte Belohnung – ich glaube 200 Dollar – dort hinauf zu führen. Nicht lange nachher marschirten fast sämmtliche Truppen das Thal hinauf, die Hauptmasse formirte sich in Schlachtordnung auf der gewöhnlichen Passage, wie im Begriff einen neuen, schon so oft abgeschlagenen Sturm zu versuchen, und der Zweck wurde auch dadurch vollkommen erreicht, denn die Eingeborenen, von denen eine starke Abtheilung sogar fouragiren geschickt war, richteten ihre ganze Aufmerksamkeit auf die Vertheidigung des einen Passes. Unter der Zeit schlich der Atiuer mit etwa dreißig den Franzosen ergebenen Eingeborenen und vierzig Soldaten, zu dem ihm wohlbekannten Pfad, und ließ von dort ein mitgenommenes Seil nieder, an diesem eine feste und schon zu dem Zweck bereit gehaltene Strickleiter aufzuziehn. Auf dieser folgten nun nach und nach die übrigen Soldaten, bis sie Alle die Klippe, und später den etwa 1000 Fuß hohen Abhang erreicht hatten, wo sie die Eingeborenen unmittelbar über ihrem Lager bedrohten, und furchtbare Verwüstung hätten unter ihnen anrichten können. Die Insulaner sahen auch bald daß weiterer Widerstand vergeblich war, streckten die Waffen und wurden als Kriegsgefangene in die Stadt gebracht.«

»Die Einnahme dieses Lagers öffnete den Franzosen jetzt den Weg zu den beiden anderen befestigten Plätzen; ihnen lag aber keineswegs daran die Insulaner zu bekämpfen, sie wollten sie sich nur unterwerfen, und entließen ihre Gefangenen augenblicklich wieder, sobald sie das Französische Protektorat anerkannt. Einer der entlassenen Häuptlinge wurde dann nach Buaania, der schwächsten Befestigung, als Parlamentair abgesandt sie zur Uebergabe aufzufordern, oder mit einem Angriff zu drohn. Diese ebenfalls, als sie hörten wie die Sachen doch nun einmal standen, unterwarfen sich, und streckten dort allein 250 Gewehre.«

»Das Lager von Papeeneo ergab sich zuletzt; die Vertheidiger zögerten mehrere Tage, endlich aber fügten auch sie sich der Uebermacht und marschirten, gerade am Neujahrstag, in die Stadt, wo sie ihre Waffen nieder legten. Sie kamen in langer Procession – die Häuptlinge voran, dann die Krieger, und die Frauen und Kinder zuletzt. Noch etwa hundert Schritt von den Französischen Truppen entfernt machten sie Halt, knieten nieder und beteten, dann erhoben sie sich zusammen und marschirten in die Stadt. Indessen waren von den Franzosen schon ihre eingeborenen Richter ernannt worden, diese empfingen sie mit freundlichem Gruß, bewillkommten sie als Brüder und führten sie nach dem Gouvernementshaus, wo sie ihre Waffen förmlich niederlegten und das Protektorat anerkannten. Eine allgemeine Amnestie (ohne Ausnahme) wurde dann verkündigt, alle Fehltritte wurden als vergessen betrachtet, und den Leuten angedeutet sich ruhig und unbesorgt wieder in ihre Heimath zu verfügen.«

Die geflüchtete Königin kehrte erst im Februar nach Tahiti zurück, wo sie von Gouverneur Bruat empfangen und von ihm, als dem Repräsentanten Frankreichs, in alle ihre Rechte und Privilegien als Königin von Tahiti und Morea, unter Französischem Protektorat anerkannt wurde. Ein aufgestelltes Musikchor spielte ein Französisches Nationallied und ein Salut von ein und zwanzig Schüssen donnerte seinen Segen dazu.

Ihre Majestät bekam von da an einen förmlichen Gehalt von der Französischen Regierung; etwa in derselben Art wie die abgesetzten Indischen Fürsten auf Java von den Holländern erhalten und bezahlt werden, als Mittelspersonen gewissermaßen zwischen den Eingeborenen, für die sie zu haften haben, und der fremden Regierung. Pomare erhält jährlich 5000 Dollar, und außerdem noch eine nicht unbeträchtliche Summe als Landzins, für Beamtenstellen etc. – so daß die ganze Summe fast 8000 Dollar betragen mag. Jeden Verkehr Ihrer Majestät aber mit Fremden, die auf Tahiti wohnten oder es besuchten, behielt sich das Protektorat vor, und eine gewünschte Audienz mußte vier und zwanzig Stunden vorher angezeigt und der Grund der gewünschten Zusammenkunft gegeben werden – wahrscheinlich um weiteren Aufreizungen zuvor zu kommen und sie von vorn herein unmöglich zu machen.