So war der Titel den Pomaren erhalten, aber sie hatten aufgehört zu regieren.
Die katholische Religion breitete sich dabei ebenfalls mehr und mehr aus; ein Bischof war von Frankreich herüber gekommen, und ein großer Theil der Indianer wandte sich der neuen Religion zu. Andere verharrten in ihrem Glauben, und sehr Viele »überlegten sich« die Sache; sie waren stutzig geworden auf dem eingeschlagenen Weg – ihr einfacher Verstand begriff die Spitzfindigkeiten der verschiedenen Sekten nicht, und bald dieser bald jener sich neigend, leben sie gleichgültig in den Tag hinein; ein geringer gebotener Vortheil kann sie der einen oder anderen Religion leicht gewinnen.
Es war Frieden in Tahiti; die Partheien hatten sich vereinigt, Paofai und Utami, Tati, Hitoti und Paraita waren Richter des Volks geworden, und die Sonne lachte so freundlich auf die blitzenden Uniformen der Französischen Soldaten nieder, die beim Parademarsch alle jungen Leute der Umgegend um sich sammelten zu heiterer Lust, als sie auf die Tapatücher von deren Voreltern nieder geschienen. Die zerschossenen Brodfruchtbäume und Palmen waren entfernt, und andere schon wieder an ihrer Stelle gewachsen, große steinerne Gebäude aufgeführt, breite Straßen angelegt, Brücken gebaut und – Straßenlaternen standen auf behauenen Corallblöcken am Strand des Hafens von Papetee.
Im November des letzten Jahres kam ein Schiff durch die Straße von Tahiti und Imeo eingesegelt und wurde da von Windstille befallen. Während es noch mit schwerfällig gegen den Mast schlagenden Segeln, mit der Gegenströmung eher wieder seinen Cours zurückgehend, dort lag, lief ein kleines, von zwei Eingeborenen gerudertes Boot von Morea herüber an ihnen vorbei, und wurde von Deck aus angerufen.
Ein Passagier wünschte mit an Land zu fahren, und da er ihre Sprache vollkommen gut verstand, einigten sie sich bald darüber. Das Boot legte sich an die Seite des Schiffs, die Fallreepstreppe wurde über Bord gehangen, und der Fremde stieg rasch hinab, wo er ohne Weiteres seinen Sitz im Heck des Bootes und der Steuerruder nahm.
»Gerad' da hinüber wohin Ihr den Bug jetzt gedreht habt liegt die Einfahrt der Bai« sagte der eine Indianer, als sie das Schiff verließen und rasch über das vollkommen ruhige Wasser dahin glitten.
»Ich weiß es« erwiederte der Europäer, ohne die Augen jetzt von dem, vor ihnen ausbreitenden Ufer fort zu nehmen, und die Indianer ruderten schweigend weiter. Durch die Einfahrt glitten sie, von der Fluth begünstigt, rasch hinein und am Ufer hinauf, vermieden die hie und da verborgenen Corallenriffe, deren Lage der fremde Mann zu dem unbegrenzten Erstaunen der beiden Insulaner vollkommen gut kannte, und landeten endlich in Matavaibai an dem Fuß eines ziemlich gut gehaltenen Gartens, in dem oben eine der gewöhnlichen großen Bambushütten, wie sie die wohlhabenderen Eingeborenen bewohnen, stand.
Woher kannte der Fremde den Platz so genau? und doch erinnerte sich keiner der Beiden, die hier seit ihrer Kindheit wohnten, ihn je gesehn zu haben. Es war ein schlanker kräftig gebauter Mann, und seine Bewegungen hätten fast jugendlich genannt werden können, nur daß dem das schon stark ergraute Haar und die tiefen Furchen seines Angesichts widersprachen.
Neun Jahre hatten René Delavigne zum Greis gemacht, so daß selbst zwei seiner alten Nachbarn ihn nicht wieder erkannten.