»Sonst wohnte Bruder Ezra hier im Haus« stammelte René endlich, der fühlte, daß er wenigstens eine Antwort geben müßte.
»Bruder Ezra« wiederholte der Geistliche, leise und nachdenkend dabei mit dem Kopfe nickend – »Bruder Ezra, ja ja, das war in früherer Zeit – jetzt existirt der freilich nicht mehr.«
»Ist er todt?« rief René schnell und erschreckt.
»Nein, nein« lächelte Mr. Nelson, »das gerade nicht; im Gegentheil erfreut er sich eines ganz besonders gesegneten Wohlseins; aber er hat nur den »Bruder Ezra« und den »Mi-to-na-re« abgeworfen und ist, wenn auch nicht gerade anerkannt zum alten Heidenthum, doch von unserer christlichen Gemeinschaft zurückgetreten. Der arme kleine Mann konnte die vielen, in ihm von so verschiedenen Seiten wachgerufenen Zweifel, nicht länger bekämpfen, und übersprang sein Ziel. Anstatt zu prüfen und das Beste zu behalten verwarf er Alles, und lebt nun ziemlich gleichgültig, aber anscheinend ganz zufrieden in den Tag hinein.«
»Und wo ist seine Wohnung?«
»Nicht sehr weit von hier; gleich über jenem niedern Hügelhang. Wenn Sie den Pfad wüßten –«
»Ich will Dich führen, Wi Wi« sagte da eine leise Stimme an seiner Seite und als sich René rasch dorthin wandte, sah er sich einer schlanken, ziemlich abgemagerten Frau gegenüber, die ihre Augen fest und forschend auf ihn gerichtet hielt.
»Aia!« rief er überrascht aus, aber die Frau ergriff seine Hand und ihn mit sich fortführend sagte sie:
»Komm – ich weiß wohin Du willst, und kenne den Weg fast so gut wie Du.«
»Herr Delavigne!« rief aber auch jetzt der Geistliche, der ihn ebenfalls erstaunt erkannte – »mein Gott, wie haben Sie sich verändert.«