Mit Deinen starken Armen,

»Der Feind – der Feind!« dröhnte da plötzlich ein gellender Schrei selbst über das jetzt zum vollen Chor angewachsene Lied hinaus, das die Landbrise weit weit hin über das Wasser trug, aber die Sänger störte es nicht. Einzelne flüsterten das Schreckenswort nach, »der Feind – der Feind!« und zwei oder drei sprangen auf die Brüstungen nach den erwarteten Colonnen auszuschauen, aber Aonui mit voller kräftiger Stimme, die Arme, wie Hülfe suchend zum Himmel aufgestreckt, erhob seine Stimme nun um so lauter, und donnernd überschallte den Ruf der Schluß des Verses:

»Dann führe uns durch Nacht und Graus

Zu Dir hinein, in's Vaterhaus –

Erbarmen Herr – Erbarmen!«

»Der Feind! der Feind!« schallte es jetzt aber dringender, gellender als vorher – von unten herauf tönten die scharfen schmetternden Töne der Trompeten, und dumpfer Trommelschlag wirbelte d'rein, während die ausgesandten Laufer und Wächter athemlos aus dem, die Umschanzungen begränzenden Holz brachen und die Nachricht brachten, daß der Feind in zwei starken Colonnen anrücke, und sich, wie es schien, zum Sturm rüste auf das Fort.

Oben wirbelte aber auch schon die Trommel den Schlachtenruf, während die Männer nach ihren Waffen sprangen, und noch drängte und trieb Alles durcheinander, in ungeordneten Haufen dem allerdings schon früher durch Teraitane für jeden bestimmten Platze zuzueilen, als der erste Gruß von den Schiffen herüber schmetterte, und die Uranie wie der Dampfer in voller Flankensalve ihre Kugeln theils in dem Wall begruben, theils vor oder hinter ihnen die Guiavenstämme krachend zusammenschlugen.

Einen Augenblick stand die Schaar wie erschreckt; es war bei fast allen das erste Mal, daß sie die furchtbare Wirkung einer solchen Kugel beobachten konnten; Jim O'Flannagan aber, der seine Zeit bis dahin benutzt und während die andern getanzt oder gesungen, auf eine Matte ausgestreckt ein ganz tüchtiges Mittagsschläfchen gehalten hatte, sprang bei dem, ihm gut genug bekannten Lauten empor, und den Hut um den Kopf schwingend, rief er ein donnerndes dröhnendes Hurrah den feindlichen Kugeln keck und furchtlos entgegen.

Die Salve aber, die vollkommen erfolglos gewesen, wie der herausfordernde Ton des Iren, dem sich Pompey jetzt zugesellte und sein zweites Hip hip hip hurra ertönen ließ, fand Anklang in den kecken und muthigen Herzen der Krieger, und der tahitische Schlachtenschrei, der das Echo in diesen Thälern seit langen Jahren nicht geweckt hatte, brach in wilder jubelnder Lust von ihren Lippen.

Es war ein stilles, friedliches Volk, das den Krieg fast ängstlich so lange vermieden hatte, wie es nur irgend eine Aussicht auf gütliche Beilegung seiner Zwistigkeiten sah, das aber jetzt auch, da es die Fremden zu arg getrieben, rücksichtslos auf irgend eine größere Macht die noch vielleicht an ihre Küste geworfen werden könnte, die Waffen aufgriff, und nun mit eben dem kecken, vielleicht unbewußten Muth der Gefahr entgegenging, wie es früher in seine Kirche oder zu seinem Tanz gegangen war.