Die Pistolen der Matrosen thaten hier schlimme Wirkung, und trotz dem daß sich Aonui mit den Seinen in voller Todesverachtung den feindlichen Kugeln aussetzten, und ihnen jeden Zollbreit Raumes mit scharfer Waffe streitig machten, faßten die Franzosen schon mehr und mehr festen Fuß, selbst bis in die Verschanzung selber hinein, wo sie sich auch vielleicht, waren sie in diesem Augenblick von Außen gehörig unterstützt, behauptet hätten. Der Nebel, der ihr Eindringen aber begünstigte, verhinderte auch die Freunde, die errungenen Vortheile zu sehn, während der gellende Schlachtenschrei Teraitanes die Seinen zu sich rief, die jetzt in mehren Trupps, dort Gefahr wissend, herbeistürmten.

Auch Pompey, der sich mit durch den falschen Alarm der Trompeten und Trommeln hatte täuschen lassen und nach dort zu vergebens einen Augenblick hinausgehorcht, den anrückenden Feind in dem Nebel erscheinen zu sehn, hörte jetzt den Schlachtenlärm zu seiner Rechten, und die ihm nächsten Indianer rasch an sich rufend, sprang er mit ihnen der bedrohten Stelle zu.

Bertrand kämpfte hier in den vordersten Reihen, mit unerschütterlicher Kaltblütigkeit die nach ihm gerichteten Stöße parirend und mit scharfer Klinge sich mehr und mehr Bahn hauend in den Menschenknäul; da fiel sein Blick plötzlich auf eine bekannte Gestalt – er sah die Mündung eines Gewehrs, fast dicht vor sich, auf seinen Kopf gerichtet und behielt eben noch Zeit mit dem Säbel unter das auf ihn zeigende und gerad' erreichbare Bayonnett zu schlagen, als auch die Kugel so dicht über seinem Kopf hinpfiff, daß sie ihm einen Theil der Haut mitnahm!

»Hund!« schrie er in demselben Augenblick und warf sich auf den erkannten Verbrecher, und während er die nach ihm gestoßene Waffe noch einmal parirte, führte er mit dem Säbel einen so gut gemeinten Hieb nach der Stirn des Iren, daß nur eine rasche Wendung von dessen Kopf dem Streich das tödtliche nahm, während die scharfe Waffe an der Seite seines Schädels nieder fuhr, den oberen Theil des linken Ohres mit nahm und auf dem Schlüsselbein abprallte. Zu gleicher Zeit sprang Bertrand zu und den Iren mit der Linken fassend, wollte er ihn eben zurück und nach seinen Leuten zu reißen, als Pompey mit der Verstärkung auf dem Kampfplatz erschien und mit solcher Wucht gegen den Franzosen anprallte, daß dieser seinen Gefangenen loslassen mußte und alle seine Stärke und Gewandtheit gebrauchte, sich gegen den neuen riesigen Feind zu vertheidigen.

Die Soldaten und Matrosen fanden sich aber in diesem Momente auch so von allen Seiten bedrängt, daß an ein Vordringen weiter gar nicht mehr gedacht werden konnte, ja Bertrand fast sogar der Rückzug abgeschnitten wäre, hätte sich nicht Adolphe mit seinen regulären Truppen, die eigene Gefahr misachtend, hineingeworfen, ihn heraushauen zu helfen, während von der andern Seite der erste Lieutenant der Jeanne d'Arc ebenfalls mit einem kleinen Trupp Matrosen einen Scheinangriff machte, die Aufmerksamkeit der Belagerten von dort in etwas abzulenken und den Kameraden Luft zu gönnen.

»Hierher meine Jungen«, rief dieser seinen Leuten zu, »hinein mit Euch, und treibt mir die rothen Schufte da einmal zu Paaren,« und über einen niedergeschossenen Guiavenstamm springend wollte er eben über einen kleinen freien Raum der innern Schanze laufen, von seinen Leuten gefolgt den Kameraden Hülfe zu bringen, als eine pulverrauchgeschwärzte Gestalt auf ihn zusprang die er in dem von Blut entstellten Zügen kaum wieder erkannte, und mit heiserer Stimme ihn anschrie:

»Hallo mein Herzchen, bist Du hierhergekommen uns einmal zu besuchen« und der Bursche richtete dabei, auf kaum zwei Schritt Entfernung ein weitmündiges Sattelpistol auf den Officier –

»Schurke!« schrie dieser, seinen entsprungenen Matrosen in ihm erkennend – »Du meldest Dich gerade zur rechten Zeit,« und zum Hiebe ausholend wollte er auf ihn einspringen, als Jack, der ruhig seine Zeit erwartet hatte, ihm das Pistol so nahe vor den Augen abfeuerte, daß der Pulverblitz seine Augenwimper versengte und die Rehposten mit denen es geladen war den Unglücklichen mit zerschmettertem Hirn zu Boden warf.

»Vergeltung – Rache!« jubelte der Matrose und stieß einen gellenden Freudenschrei aus, der von der anderen Seite des Forts beantwortet wurde, und von dort her stürmte neue Hülfe. Die Seeleute aber, die sich nicht weiter unterstützt sahen und dem neuen Anprall nicht hätten die Stirne bieten können, faßten ihren erschossenen Officier auf, und zogen sich damit, durch vorgehaltene Bayonnette ihren Rückzug deckend, wieder die Schanze hinauf und jetzt, den Hörnern folgend die von allen Seiten den wirklichen Rückzug bliesen, in die Guiaven hinein, dem schon wieder eröffneten Feuer nicht länger und nutzlos ausgesetzt zu sein.

Es wäre unmöglich den Jubel zu beschreiben, der bei dem Rückzug, ja der Flucht der Feinde, in der kleinen so tapfer vertheidigten Veste ausbrach. Im ersten Augenblick konnten sie ihren Sieg noch nicht gleich übersehen, denn der Nebel lag zu dicht auf der ganzen Kuppe, als aber jetzt ein Windstoß von der See herüber die duftigen Schleier faßte und auseinander riß, sie rechts und links in die steilen Schluchten hineinzudrängen, und der Feind, von dem wilden Anprall der Eingeborenen zurückgeworfen, nirgend mehr zu sehen war, ja seine Todten und Verwundeten sogar hatte zurücklassen müssen, da tönte ein gellender, trotziger Jubelschrei aus den Kehlen der Sieger, und der eigenen Wunden nicht achtend sprangen und rannten sie, ihre Speere und Waffen schwingend wild und toll umher.