»Damn it!« schrie Pompey, als er einen mehr zornigen als überraschten Blick dort hinüber geworfen – »wir stürmen das Nest da oben, und werfen ihnen nachher ihre Kugeln auf die Schiffe zurück! wer geht mit?«

Ein wildes jubelndes Geschrei antwortete ihm, und die trotzigen halbnackten Gestalten griffen ihre Waffen fester und machten sich schon bereit, nur eben der ersten Andeutung folgend, ihre Leiber todesmuthig der Gefahr entgegenzuwerfen. Teraitane aber, der das Terrain dort besser kannte und die Unmöglichkeit einsah, von hier oben die fast steile Wand zu den Kanonen hinaufzulaufen, während sie noch dazu von der Artillerie vertheidigt werden konnte, wollte seine Einwilligung nicht geben und hielt, einen neuen Sturm auf das Fort jetzt, unter dem Schutz jener Kanonen mit Recht erwartend, die Seinen zurück.

Auf diesen sollten sie auch gar nicht so lange zu warten haben; der erste Lieutenant der Uranie, der den Oberbefehl über die Stürmenden führte, konnte von einer kleinen Anhöhe aus den neuen und vortheilhaften Stand ihrer Geschütze erkennen, und die Hörner riefen seine Leute, die Ueberraschung des ersten Augenblicks zu benutzen, schnell wieder zum erneuten Angriff des Forts herbei.

Hier aber fanden sie trotzdem noch immer den alten, hartnäckigen Widerstand, und eine halbe Stunde mochte der erbitterte Kampf, Fuß an Fuß von beiden Seiten gedauert haben, wobei den Eingeborenen die höher stehenden Kanonen der Feinde allerdings wesentlichen Schaden thaten, als Pompey endlich, nach kurzem Kriegsrath mit Teraitane und Aonui einen Rückzug in die Berge beschloß, theils von einer anderen Bergspitze aus die dort stationirte Artillerie im Rücken zu fassen, theils die Franzosen zu verlocken ihnen in das Dickicht nachzufolgen, und sie dann, von den Guiaven geschützt zu umzingeln und abzuschneiden, während ihnen die eignen Kanonen im Dickicht keinen Beistand mehr leisten konnten.

Teraitane war nicht ganz damit einverstanden, denn er fürchtete, daß sich die Franzosen vielleicht in dem Fort fest setzen möchten, wo sie dann gezwungen gewesen wären den Platz, den sie jetzt behaupteten, wieder zu erstürmen, Aonui und die Uebrigen aber, die den Versuch wenigstens gemacht haben wollten die gegen sie spielenden Kanonen wegzunehmen oder zu verjagen, überstimmten den Führer, und die Frauen voranschickend, die einen Moment freier Zeit benutzten über den offenen Platz zu fliehen, folgten die Krieger jetzt in kleinen einzelnen Trupps aus dem Fort hinaus bergan, die Verschanzung für den Augenblick den Feinden vollkommen überlassend.

Unten von den Schiffen aus, und während die Soldaten mit Jubelruf von dem verlassenen Fort Besitz ergriffen, sahen sie aber kaum die hellgekleideten Gestalten hinter den Verschanzungen sichtbar werden, als sie, wo das nur irgend anging, ihre Kugeln darauf richteten, und die Eingeborenen fanden sich plötzlich in einem eisernen Regen, der rechts und links Verderben brachte. Furchtbar war die Wirkung der schweren Kugeln in dem dichten Oberholz der Mapes und Wibäume und einzelne Cocospalmen splitterten im Stamme von einander, und warfen die gewaltige schwere Krone rasselnd in die Tiefe, ihre gewichtigen Früchte auf die Flüchtigen niederhagelnd.

Aber die Franzosen dachten gar nicht daran dem Feind zu folgen, denn ihre Reihen waren selber furchtbar gelichtet, und nur rasch ihre Todten zusammentragend und mit etwas Sand und Erde leicht überwerfend, griffen sie die Verwundeten auf und zogen sich mit ihnen, völlig damit zufrieden den Feind, wie sie glaubten, aus der Schanze geworfen zu haben, rasch zurück auf die Schiffe.

Die Artillerie schlug indessen allerdings den tollkühnen Angriff der Eingeborenen auf ihre, fast uneinnehmbare Stellung zurück, hatte aber ebenfalls, da sie das Fort geräumt sah, keine weitere Veranlassung dort oben zu bleiben und folgte, auf dem Rückzug noch von einzelnen Trupps der durch den Wald zerstreuten Insulaner arg belästigt, der übrigen Mannschaft nach den Schiffen. Die Verwundeten wurden meist Alle auf die Fregatte gebracht, und wenige Stunden später lichteten die beiden Kriegsschiffe, noch auf Alles unverdrossen feuernd was sich am Ufer nur einigermaßen verdächtig zeigte, die Anker und segelten nach Papetee zurück.

Capitel 2.
Alte Abrechnungen.

Noch an demselben Abend liefen die Schiffe, die günstige Seebrise benutzend, wieder in den Hafen ein, wohin sie aber, wenn auch als Sieger zurückgekehrt, keine freudige Nachricht brachten. Der unerwartet kräftige Widerstand den sie gefunden, die Tapferkeit der Eingeborenen, die noch dazu weit besser bewaffnet waren als man vermuthen konnte, der Verlust vieler braver Soldaten und selbst von vier Officieren, warf einen düsteren Schatten über den Siegesmarsch, mit dem die Truppen an der Landung aufmarschirten, und konnte wahrlich nicht durch den langen Trauerzug der Verwundeten, denen man an Land bessere Pflege zu gewähren hoffte, gemildert werden.