»Wie viele sind es ihrer?«

»Drei blos, als Abgeschickte.«

»Und was wollen sie von uns?«

»Daß Du den gestern gefangengenommenen Wi-Wi frei gebest und mit ihnen zurückgehen lassest in's Lager. Er gehörte nicht mit zu den Soldaten und wäre ganz aus Versehn gestern gefangen genommen.«

»Und ist das ein Grund unsere Sabbathfeier zu unterbrechen?« rief aber jetzt Bruder Rowe die Hände in Staunen und Entrüstung zum Himmel gehoben – »sollen wir, eines gefangenen Katholiken wegen, der gastlich an dieser Küste aufgenommen, sein Weib von sich gestoßen und die Hand gegen die Kinder dieses Bodens, ein zweiter Kain, aufgehoben hat, den Gottesdienst so vieler frommer Christen unterbrechen, denen vielleicht nur der heutige Tag noch gegeben ist ihre Sünden zu bereuen und zu Gott umzukehren, während sie vielleicht morgen schon vor ihrem Richter stehen?«

»Singe Du weiter, Mi-to-na-re« sagte der Häuptling ernst – »wir Führer dieser Schaar wollen berathen was zu thun – Raiteo, Du magst hier meiner Antwort harren« – und mit langsamen Schritten, den ihm nächsten Häuptlingen winkend ihm zu folgen, schritt er der am entferntesten Theil des Lagers errichteten Berathungshütte zu, wo er sich, bald von den andern umgeben, auf einer der dort überall ausgebreiteten Matten niederließ.

Die Hauptführer der Eingeborenen waren aber leider nicht Alle hier versammelt; Tati, der mächtigste derselben fehlte, mit ihm Paofai und Paraita – die letzteren beiden lebten sogar in Papetee, unter französischem Einfluß und wie es hieß, von ihm gewonnen, während sich Tati, den Missionairen und ihrer Parthei wie den Feranis in ihrem Uebermuth zürnend, nach Papara zurückgezogen hatte. Nur Utami – von denen die den Vertrag unterschrieben der Einzige, der edel und kühn genug war den begangenen Fehler einzusehn und dem Volk mit dem Schwert in der Faust bewies, daß er nie daran gedacht es zu verrathen und sich geirrt als er nach dem Feind des Vaterlands die Hand um Hülfe ausstreckte – hatte sich mit den Seinen in die Berge zurückgezogen, fest entschlossen ihre Unabhängigkeit und Freiheit zu wahren, so lange ihnen Gott die Kräfte dazu lassen würde.

Außerdem waren hier oben versammelt Aonui, der rechte Arm der Missionaire, und Potowai, Teraitane, Kahauha und Taaniri, die von den Franzosen als Rebellen erklärten Führer der Eingeborenen, mit vielen Anderen vom südlichen Theil der Insel, und dem östlichen, und auch Fanue wurde mit seinen Streitern von Tairabu erwartet, von wo aus er herüberkommen und sich dem Hauptstamme anschließen sollte, wenn es Noth that einen gemeinschaftlichen, und Hauptschlag gegen die in Papetee jetzt ziemlich zusammengedrängten Feranis zu unternehmen, und dem Krieg dadurch vielleicht ein Ende zu machen.

Die Berathung der Häuptlinge dauerte nicht lange, schien aber gegen Utamis Willen entschieden zu haben – der alte Häuptling sprach finster und heftig gegen die Mehrzahl der Uebrigen und seine Stimme drang manchmal, wie das dumpfe drohende Rollen der Brandung zu der Versammlung herüber. Diese wurde indeß durch den Geistlichen in ununterbrochenem aber schwerlich andächtigem Gebet gehalten, zu dem jetzt die Waffen nicht mehr passen wollten, und das sie stören mußten, hätte nicht das eigene Interesse an den Verhandlungen schon ohnehin ihren Geist dort hin, und von dem Inhalt ihrer Andacht abgelenkt.

Utami blieb, als die Uebrigen aufstanden, in düsterem Brüten auf seiner Matte zurück, während Aonui, mit einem heiteren und milden Ausdruck in den Zügen, einem Theil der Uebrigen voran, von denen sich die meisten gleich wieder unter die Betenden mischten, zu Bruder Rowe halb, halb zu Raiteo gewandt sagte: