»Ruhe – Frieden!« gebot aber Utami – »und Du Ferani thust nicht wohl daran die Männer noch zu reizen, die über Dich zu Gericht sitzen sollen.«

»Dazu habt Ihr kein Recht!« rief aber, sich hoch emporrichtend der junge Mann – »und wehe Euch wenn Ihr es wagen solltet Hand an mich zu legen.«

»Kein Recht? – und wer sonst?« sagte Utami ruhig zu ihm aufschauend – »wer anders als wir, ist der rechtmäßige Eigenthümer dieses Bodens, seit Pomare feige den Schutz bei dem Fremden suchte? Glaubst Du daß Ihr das Recht erworben habt auf dieser Insel zu herrschen, weil die Kanonen Euerer Schiffe ihre Kugeln in die friedlichen am Ufer stehenden Fischerhütten schleudern können? Deine Landsleute haben den Krieg in dieses stille harmlose Land gebracht, den Namen Gottes haben sie zur Decke gebraucht, unter der sie ihre bösen Absichten und Pläne verbargen; ihre Landsleute, dieselben die mit ihnen einen Gott anbeten, gaben sie vor wollten sie schützen, weil sie noch ein Stück von einem Gewissen hatten, und sich schämten mit ihren eigennützigen, verbrecherischen Absichten so frei zu Tag zu kommen, und hätten wir ihnen den Schutz eingeräumt, so breiteten sie ihre Macht aus über das Land, und schon während sie ihrer Aussage nach für ihren Gott arbeiteten, füllten sie sich die eigenen Schiffe und legten ihre Arme über das Eigenthum eines andern fremden Volkes. Nun wir aber ihren Priestern die Erlaubniß gegeben hatten hier ungehindert zu predigen und gleiche Rechte mit den unsrigen zu haben, aber nur den Schutz zurückweisen den sie uns angedeihen lassen wollen, und der in Euerer Sprache etwas ganz anderes bedeuten muß als in der unseren, denn in der unseren heißt das, was Ihr darunter zu verstehen scheint, Diebstahl, nun kommt Ihr mit Eueren wahren Absichten zu Tag. Wie in einem Spiel der Areois habt Ihr eine Maske vor Euerem wahren Gesicht gehabt, die Ihr jetzt abwerft, da sie Euch nicht mehr verbirgt – stützt Euch auf Verträge, die Ihr anders auslegtet und benutztet als sie gemeint waren, sendet Euere Spione und Priester in unser Land unser Volk zu verderben und abtrünnig zu machen, und dringt zuletzt mit gewaffneter Hand in unsere Heimath, zerstört unsere Häuser, verwüstet unsere Felder, zerschmettert mit Eueren Kanonenkugeln unsere Cocospalmen und Brodfruchtbäume, die Stämme die uns und unseren Kindern Nahrung geben und dringt mit gewaffneter Hand in die Berge und Haine ein, unsere Männer zu erschlagen, unsere Weiber mit fortzuschleppen oder zu entehren.«

»Und was hab ich mit alle dem zu thun?« entgegnete René ausweichend einer allerdings nur zu wohl begründeten Anklage gegenüber – »gehörte ich zu den Eroberern? – gehöre ich jetzt dazu? kam ich nicht, ein Fremder, auf Euere Inseln und wurde heimisch darauf aus freiem Willen und mit der Zustimmung eines Euerer Häuptlinge? – nahm ich mir nicht ein Weib aus Euerem Stamme?«

»Und wo ist die jetzt?« unterbrach ihn ruhig Utami.

»Jetzt? – in unserer früheren Heimath hoffentlich, zu der sie mit Einem Euerer Priester hinüberging, mich zu erwarten.«

»Dich zu erwarten« – wiederholte leise und ernst mit dem Kopf nickend der Häuptling – »willst Du das ein Anrecht auf unsern Schutz machen, daß Du die Frau wieder von Dir schickst, die an Deiner Seite bleiben sollte, bis zu ihrem Tode? –«

René wollte heftig darauf antworten, aber er besann sich, biß die Unterlippe und sagte finster:

»Was meine Familienverhältnisse betrifft bin ich, denk' ich, nur mir selber die Rechenschaft schuldig.«

»Haß und Elend säet Ihr« sagte Utami ernst, fast traurig, »und verlangt Freundschaft, verlangt Liebe dafür.«