»Dann laß Dich nur mit zu mir einrangiren!« rief Adolphe, »und wär' es nur der alten Zeiten wegen.«

»Und Atiu?« flüsterte René leise.

»Läuft Dir nicht fort« lachte der Freund, der die Worte gehört – »Mensch, danke Gott daß er Dir die Gelegenheit förmlich in den Schoos wirft Dich auszuzeichnen, und Dir eine Stellung hier auf den Inseln, wenn Du denn nun einmal Dein Leben darauf beschließen willst, zu erringen. Frankreich braucht solche Männer wie Dich zu seinen Colonieen, aber suche den Zweck Deines Lebens dann auch nicht blos in einer Bambushütte und in den Armen einer hübschen Dirne – ich bin auch kein Kostverächter, aber ich will ein Ziel haben zu dem ich aufschauen muß, eines das mir die Nerven und Adern mit Stolz und Freude füllt, dann freut mich auch ein häuslich Glück daheim, und wahrlich nur in solchen Verhältnissen kann ich es mir denken.«

»Ich kenne René gar nicht mehr« sagte Bertrand, »und glaube doch am Ende die Missionaire haben's ihm angethan.«

»Hahahaha« lachten Andere, »das wäre kein übler Spaß, wenn Delavigne Mitonare auf einer der Inseln drüben würde, und die Heidenkinder mit dem heiligen Wasser wüsche.«

»Gar nichts so Unmögliches« sagte Bertrand, »da sind schlimmere und wunderbarere Sachen vorgekommen in der Welt, und wenn er so fortliefe im alten Gleis, ständ ich ihm bei Gott für Nichts.«

»Er wird Euch zeigen ob er noch fechten kann« rief aber René jetzt, dem das Blut in Schaam und Aerger in die Schläfe stieg – »daß ich nicht muthwillig gegen die Eingeborenen fechten wollte, dafür hat ich den guten und mir selber genügenden Grund, ich bin in anderen Verhältnissen an diese Küsten geworfen als Ihr; aber treiben sie mich dazu, wie's mir jetzt fast scheint, denn ihrer Güte verdank ich's nicht daß ich noch athme, ei, dann bin ich auch meiner Verbindlichkeiten quitt und ledig, gegen die Herren von Tahiti, und so lange ich hier noch auf der Insel wohnen bleibe, will ich sie mir wenigstens mit helfen vom Leibe halten. Ob ich mich dabei wie ein Mitonare oder wie ein Franzose benehmen werde, mögen die Herren mir nachher bezeugen.«

»Bravo Delavigne – bravo!« rief es von allen Seiten und die meisten der jungen Offiziere sprangen auf ihn zu und schüttelten ihm die Hand; in dem Augenblick aber tönte draußen ein Horn – das Alarmsignal, das die beurlaubten Officiere zurück auf ihre Posten rief, und Mützen und Waffen aufgreifend, wurden die Gläser noch rasch voll geschenkt und geleert, und fort stürmten sie Alle mit flüchtigem Gruß neuen Kämpfen, neuen Gefahren, aber so sorglos entgegen, als ob sie zu irgend einem fröhlichen Feste den lustigen Reihen, und nicht schon arg zusammenschmolzene Schaaren dem unermüdlichen und ihnen an Zahl so weit überlegenen Feind entgegenführen sollten.

Der Aufstand der Eingeborenen war aber in der That nicht bloßes Gerücht gewesen, und René behielt kaum Zeit dem Gouverneur, der ihn freudig begrüßte, als Freiwilliger vorgestellt und bestätigt zu werden, als von Point Venus her die neue Botschaft kam, daß sich die Insulaner dort in einer Verschanzung festgesetzt und von da hereinbrechend einzelne Häuser der den Franzosen freundlich gesinnten Indianer niedergerissen, und die sich ihnen entgegenstellende Patrouille zurückgeworfen hätten.

Selbst auf die Gefahr hin Papetee für den Augenblick zu sehr von Truppen zu entblößen, mußten die Feinde aus dieser Stellung, die sie in der unmittelbaren Nähe der Stadt hielt, vertrieben werden, und mit wirbelndem Trommelschlag und schmetternden Trompeten sammelten sich die Franzosen in der Nähe des Missionsgebäudes, und rückten dann in dichten Colonnen dem Feind entgegen.