Bertrand, der nach dem Tod des ersten Lieutenants der Jeanne d'Arc zu dessen Stelle avancirt war, kommandirte hier, war aber durch die wirkliche Todesverachtung der Masse, jeden Fußbreit Boden mit Schwert und Bayonnet vertheidigend, zurückgedrängt worden, denn die ganze Macht der Insulaner schien sie wieder auf diesen einen Punkt zusammengerafft zu haben, während der größte Theil der Französischen Besatzung noch von dem letzten Angriff her an der Ostseite Papetees stand.

Hoch auf loderte die Flamme aus dem, aus leichtem Fachwerk gebauten Missionshaus in die stille Luft, und leckte und nagte an den, wie ängstlich die langen Blattarme zurückwerfenden Palmen, deren Kronen sie dörrte; und hinein in das Prasseln des Holzes und das Wirbeln der Trommeln, hinein in das Knallen des Kleingewehrfeuers und Schmettern der Signalhörner, mischte sich das Jubelgeschrei der Eingeborenen, die hier von Pompey auf der rechten, von Fanue auf der linken Flanke geführt, während Utami selber das Centrum befehligte, in wildem Siegestaumel die Feinde aus einer Hecke der Gärten in die andere trieben, und wie es schien, sich zu dem Platz durchschlagen wollten, wo die Feranis eine Art Arsenal angelegt, und einen ziemlichen Vorrath von Munition und Waffen aufgestellt hatten.

Dicht vor dem Arsenal, in dem Grundstück eines der eingeborenen Richter, der sich auf Seiten der Feranis erklärt, hinter einem festen Zaun von gespaltenem Holz, der ihnen als Brustwehr diente, hielten die Franzosen wieder Stand und vertheidigten sich mit verzweifelter Tapferkeit gegen die Uebermacht. Viele der Eingeborenen, wie Ule der Richter selber, fochten in ihren Reihen, denn sie wußten recht gut daß gerade sie zuerst verloren gewesen wären, wenn die Insulaner die Feranis schlugen. Da brach Fanue von der Rechten zuerst durch den Zaun; von zwei Bayonnetten getroffen schlug er die Feinde trotzdem zu Boden, und auf Ule zuspringend, während die Seinen nachpreßten und die Aufmerksamkeit der Soldaten von ihm ablenkten, faßte er, seine Waffe fallen lassend, den verrätherischen Richter um den Leib, und trug den jetzt laut um Hülfe rufenden mit einem Triumphgeschrei in seinen Trupp hinein. Seine Absicht war dabei wohl gewesen ihn als Gefangenen mit in die Berge zu führen, aber die Wuth der Seinen dachte nicht an Aufschub ihrer Rache und sein Flehen nicht achtend warfen sie sich, selbst trotz der Einsprache des Häuptlings, in gellendem Jubelruf auf den Gestürzten, ordentlich wetteifernd, wer Beil oder Speer, Degen oder Bayonnet zuerst in seiner Brust begraben solle.

Dadurch war aber ihre Aufmerksamkeit zu sehr von dem Angriff selber abgelenkt worden; die Franzosen hatten sich wieder gesammelt und mit Bertrand an der Spitze räumten sie noch einmal die Umzäunung. Neue Massen preßten jedoch heran, und die wenige Mannschaft hätte den Platz nicht länger behaupten können, wäre nicht in diesem Augenblick René mit seiner kleinen Schaar dem schon siegestrunkenen Feind muthig in die Flanke gefallen.

Das neue Angriffsignal von einer anderen Seite machte sie stutzen und sie wichen dem jetzt erneuten Angriff Bertrands, nicht vielleicht im Rücken von einer stärkeren Macht umzingelt und abgeschnitten zu werden.

Der rechte, von Pompey geführte Flügel sammelte sich aber rasch, und der Neger erkannte kaum den Führer des kleinen Corps, als er sich ihm auch selber entgegenwarf, mit dessen Vernichtung dem Trupp das Haupt zu nehmen.

»Hierher, Kanakas!« schrie er mit seinem kecken gellenden Lachen, die schwarzen nackten muskulösen Arme emporwerfend – »hierher und der Sieg ist unser!« und der gleich darauf gegen den jungen Franzosen mit einem riesigen Pallasch geführte Streich hätte diesem jedenfalls verderblich werden müssen, wenn René nicht mit einem raschen Seitensprung dem furchtbaren Hieb entgangen wäre. Ehe sich der Coloß aber zu einem neuen Schlage zusammenraffen konnte, und wie er eben den Arm dazu hob, fuhr ihm die scharfe Klinge des geübten Fechters durch die Achselhöhle in die Brust, und nachspringend faßte René in demselben Augenblick, die eigene Klinge fahren lassend, die Hand des tödtlich Verwundeten und entwand ihr den Pallasch, ihn jetzt blitzesschnell auf die Häupter der ihm nächsten Feinde richtend.

So rasch und gewandt war die That ausgeführt, daß die ihm nächsten Eingeborenen ihren Verlust erst begriffen, als der riesige schwarze Körper vor ihnen zusammenbrach, und das kleine Häufchen der Franzosen mit einem donnernden Hurrah und gefälltem Bayonnet wüthend auf sie einpreßte.

Der rechte Flügel wich, und fröhliches Jubelgeschrei der Franzosen füllte zugleich die Luft, denn aus der Bai herüber donnerte ein Kanonenschuß, die schwere mächtige Kugel schwirrte über ihre Köpfe und traf einen starken Brodfruchtbaum dicht unter den Wipfel, seine breiten gewichtigen Aeste auseinanderreißend, während zugleich der Ruf L'Uranie, L'Uranie! neue Hoffnung den Bedrohten brachte. Das fremde Schiff war in die Bai eingelaufen und von seinem Heck flatterte frisch und frei in der Brise die dreifarbige Fahne.

Nichtsdestoweniger konnte die Hülfe von dort noch immer zu spät kommen, denn wenn auch der rechte Flügel, durch den Tod des Führers bestürzt gemacht, dem muthigen Angriff des Feindes wich, hielt Utami noch wacker Stand und drängte sogar mit Fanue zu gleicher Zeit auf's Neue vor, jetzt Alles daran setzend, das Arsenal zu erreichen und ebenfalls anzuzünden. Bertrand kam hierbei zwischen die beiden Colonnen, und der alte tapfere Utami, seinen schweren Säbel fast eben so viel als Keule wie als scharfe Waffe brauchend, arbeitete sich, von dem Kern der Seinen und fünf oder sechs gut bewaffneten Europäern dabei unterstützt, mehr und mehr nach dem Führer der Feranis durch, dem Kampf durch dessen Niederlage mit einem Schlag ein Ende zu machen. Kleine Trupps der Franzosen langten indessen zu gleicher Zeit auf dem Kampfplatz an, aber einzelne zerstreute Trupps der Eingeborenen empfingen sie auch überall, ihr Vorrücken aufzuhalten und der Hauptmacht Zeit zu gönnen das beabsichtigte Ziel zu erreichen; René nur, jedes Hinderniß besiegend, hatte sich endlich bis zu dem arg bedrohten Französischen Picket Bahn gehauen, und entdeckte hier kaum den alten Häuptling, dessen Einfluß auf die Insulaner er gut genug kannte, als er das Aeußerste daran zu setzen beschloß, ihn gefangen zu nehmen. Kein wirksameres Mittel gab es dann, den Frieden von den Eingeborenen zu erzwingen.