Bertrand gewahrte ebenfalls den alten greisen Indianer, der den Seinen voran, todesmuthig seinen Weg sich freischlug, und in ihm jedenfalls eine vorragende Persönlichkeit vermuthend, preßte er ihm entgegen und war im Begriff einen Stoß nach ihm zu führen, als ein vor ihm liegender, gestürzter Indianer sein Bein ergriff und ihn mit sich in demselben Augenblick zu Boden riß, in dem der greise Utami vorsprang und den schweren Pallasch in der Luft schwingend einen Hieb nach ihm führen wollte.
René sah die Gefahr des Freundes, und noch während er einen der Insulaner, der sich ihm in den Weg stellen wollte, zu Boden schlug, schrie er in Todesangst:
»Halt Utami – hierher Deinen Schlag – hier der Feind!« und dem nach Bertrands Haupt geführten Hieb in demselben Moment parirend, warf er sich mit voller Gewalt gegen den Häuptling und schlang, seinen rechten Arm mit der Waffe empordrängend, den linken um seinen Körper.
Ein jäher Schmerz durchzuckte ihn in dem Augenblick – er hörte dicht neben sich den Knall eines Pistols – er fühlte wie der Gefangene seinem Arm entglitt, sah, schon halb bewußtlos, die schützend über ihn gehaltenen Bayonnette der Seinen, und brach dann besinnungslos zusammen.
Capitel 7.
René und Susanna.
Als René wieder zum Bewußtsein kam und die Augen aufschlug, lag er unter einem hohen Mosquitonetz in einem halbdunklen Zimmer auf einem weichen Bett und hörte, – aber auch nur noch wie in einem Traum – daß sich Zwei in dem Gemach leise flüsternd mitsammen unterhielten. Er fühlte sich dabei merkwürdig schwach und wollte, wenigstens zu sehn wo er sich eigentlich befand, rasch den rechten Arm heben, das Mosquitonetz bei Seite zu schieben, als ihn ein furchtbar stechender Schmerz durchzuckte, daß er mit einem halblauten Schrei fast besinnungslos wieder auf sein Lager zurücksank.
Das Netz wurde jetzt zurückgeschoben, Jemand nahm seine Hand, fühlte seinen Puls und sagte nach kleiner Pause:
»Der Puls geht regelmäßiger, Mademoiselle; ich hoffe das Beste für unseren Freund.«
»Ist er erwacht?« sagte in diesem Augenblick eine Stimme, die dem Kranken das Blut in Fieberschnelle durch die Adern jagte, daß der Arzt, der noch die Hand in der seinen hielt, bedenklich mit dem Kopf schüttelte, und das Netz weiter zurück schob, die Gesichtszüge des Verwundeten erkennen zu können.
»Hallo« rief er aber, als er hier in die Augen des forschend zu ihm Aufschauenden blickte – »unser Patient hat wirklich ausgeschlafen, und sieht sich frisch und munter wieder in der Welt um. Wie geht es, Monsieur Delavigne – wie ist Ihnen jetzt? haben Sie Schmerzen?«