»Ja wohl, heut' ist der elfte Tag –, was also in dieser Zeit vorgegangen ist, und Sie werden manches Neue zu hören bekommen. Vor allen Dingen, und um Sie darüber zu beruhigen, ist unsere Position hier vollkommen gesichert und befestigt worden; noch an demselben Morgen, an dem Sie verwundet wurden, worauf Sie sich auch wohl noch besinnen können, kam die Uranie ein und schickte ihre Boote an Land, mit deren Hülfe wir den Feind bald wieder zurück in die Berge trieben. Am nächsten Tag liefen noch zwei andere Kriegsschiffe, eins von den Marquesas, eins von Valparaiso kommend, ein und brachte Verstärkung, wie die so nöthigen Provisionen. Die Insulaner wurden dann aber auch ohne weiteres angegriffen und in die Berge, oder doch wenigstens aus der Nähe von Papetee gejagt, und sie haben sich jetzt in mehren entfernteren Orten wie Papeneeo und besonders im Hautauethale verschanzt, bis wir einmal Zeit bekommen sie auch von dort zu verjagen.«

»Und ist Utami gefangen?« frug René.

»Utami? – der Anführer der Rebellen? ah, das ist wohl derselbe den Sie gefaßt hatten, als sie den Schuß bekamen? – nein, Gott bewahre, der hat sich tüchtig herausgehauen und Ihrem Freund Bertrand ebenfalls noch ein Andenken über den Schädel hinterlassen, an dem er wohl noch ein paar Monat mit verbundenem Kopf tragen wird. Schlimmer ist Lefévre weggekommen – von seinem kleinen Trupp ist nicht ein Mann zurückgekehrt, und ihre Leichen lagen oben zerstreut in den Bergen; nur von Lefévres Leiche war nicht die Spur zu finden, er müßte denn in einem frisch aufgeworfenen und mit Blumen geschmückten Grab liegen, das wir mitten auf dem Kampfplatz, wo die kleine Schaar überfallen worden, entdeckten, wenn man auch nicht recht begreift, wer sich die Mühe gegeben haben sollte, ihn gerade so sorgfältig zu bestatten, während die Uebrigen liegen geblieben waren, wie sie gefallen.«

»Aumama« flüsterte René und ein tiefer schmerzlicher Seufzer hob seine Brust.

»Für heute haben Sie aber Aufregung genug gehabt« sagte der Arzt, seinen Hut aufgreifend – »jetzt schlafen Sie ein paar Stunden, sich wieder zu erholen und ich werde gegen Abend zurück kommen und den Verband erneuen.«

»Aber wo bin ich verwundet?« frug René mit schwacher Stimme.

»Fragen Sie wo Sie nicht verwundet sind« lachte der Arzt, »Schrammen und Beulen haben Sie am ganzen Körper, nur die Hauptsache ist der letzte Schuß in die Schulter; doch er hat Nichts zu sagen« fügte er lächelnd hinzu, »halten Sie sich nur ruhig und besonders fern von jeder geistigen Aufregung – denn körperlich bewegen können Sie sich ohnedies nicht – und wir werden Sie bald genug wieder zusammen flicken.«

Er verließ nach kurzem Gruß das Zimmer, während René in einen leichten unruhigen Schlaf fiel und die freundliche Hand nicht sah, die an seinem Lager ihm Kühlung zufächelte und seinen Schlummer bewachte.

Als er die Augen wieder aufschlug war es Nacht – ein mattes Licht brannte im Zimmer, und neben seinem Bett hörte er die schweren regelmäßigen Athemzüge eines schlafenden Wärters. Ihn dürstete aber sehr und er streckte seinen linken gesunden Arm aus den Schlummernden zu wecken.

»Hallo!« rief dieser von dem Lehnstuhl in dem er gesessen, emporspringend, als ihn die Hand kaum berührte, »René, bist Du munter – wie ist Dir, mein wackerer Bursch?«