»Ja, gute Madame Belard« lachte die kleine Frau halb besorgt halb zürnend, und doch auch wieder mit ihrem herzlichen Ausdruck im Ton – »das ist eine Wirthschaft die Einen freuen könnte. Zuerst nimmt der junge Herr Abschied, als ob es für's Leben wäre, und wenn man da ein paar Tage nachher noch ganz angegriffen und alterirt ist, läuft er so lange munter und vergnügt in der Stadt herum, ohne den Fuß noch einmal über die Schwelle zu setzen, bis er das Bischen Besinnung, was ihm eigentlich hätte sagen sollen wo seine besten Freunde wohnen, verliert, und leblos und zerhauen und zerschossen in's Haus getragen wird.«
»Sie haben recht, vollkommen recht, beste Frau« seufzte René – »und doch – wie gern wär' ich zu Ihnen gekommen – aber...«
»Ja, doch und aber, das sind Ihre Entschuldigungen – Sie sind übrigens jetzt in keinem Zustand, ordentlich ausgezankt zu werden, das verspar' ich mir, bis wir Sie wieder vollkommen wohl haben, denn geschenkt ist es Ihnen nicht. – Aber was Sie uns wieder in dieser Zeit für Sorge und Noth gemacht haben kann ich Ihnen gar nicht sagen; ich möchte nur wissen, was Sie noch einmal für ein Ende nehmen.«
»Liebe Madame Belard –«
»Und Susanna hat glühende Kohlen indessen auf Ihr Haupt gesammelt; dem Vater laufen Sie davon, und die Tochter wacht Tag und Nacht fast an Ihrem Bett.«
Ein stechender Schmerz zuckte durch Renés Schulter – er biß die Unterlippe zwischen die Zähne, und wurde leichenblaß.
»Um Gott, fehlt Ihnen etwas? – Sie haben wieder Schmerzen?« rief Madame Belard rasch, das Mosquitonetz mehr zurückwerfend, sein Gesicht deutlicher sehn zu können.
»Es ist Nichts – es geht gleich vorüber« sagte René, die Augen schließend und den Kopf halb abgewandt – »es zuckt mir nur manchmal in der Wunde; vielleicht liegt der Verband nicht ordentlich – der Doktor kommt ja nachher.«
Madame Belard nickte tief aufseufzend mit dem Kopf, erwiederte aber Nichts und der Kranke lag mehre Minuten schweigend auf seinem Lager. Endlich sagte er leise:
»Ich habe Fräulein Lewis eigentlich noch gar nicht gesehn, nur gehört gestern, wie ich zu mir kam. Sie ist doch nicht krank? –«