»Krank? – nein, aber verreist.«
»Verreist?« frug René rasch, den Kopf nach der Redenden umwendend, »verreist? wohin?«
»Sie hat schon lange einmal wieder nach Imeo hinüber gehen wollen, wohin ihre Freunde von Papara, der dort ausgebrochenen Unruhen wegen, zeitweilig übergesiedelt sind; aber sie mochte Sie auch nicht allein hier liegen lassen, so lange wir noch Nichts Gewisses über Ihren Zustand wußten, und darüber beruhigt, und da sich heute Morgen gerade eine Gelegenheit mit einem Französischen Dampfer bot, benutze sie dieselbe, und hat mir jetzt nur viel herzliche Grüße für Sie aufgetragen.«
René erwiederte kein Wort und Madame Belard fuhr nach längerer Pause mit lebendigerem Tone fort.
»Mein Mann hat auch mit gefochten, Monsieur, Sie hätten ihn nur sehn sollen, Delavigne, mit dem langen Schleppsäbel und der doppelläufigen Jagdflinte; er war aber wahrhaftig Feuer und Flamme und soll sich sogar bei derselben Affaire, wo Sie die Wunde bekamen, ebenfalls ausgezeichnet haben. Selbst Monsieur Brouard hatte sich bewaffnet und wie ich jetzt höre, sind wir allerdings nur mit genauer Noth, und Dank Ihrer aller Tapferkeit, dem traurigen Schicksal entgangen, von den Insulanern besiegt und dann auch jedenfalls gemordet zu werden, denn an jenem Tage hätten sie sicherlich keine Gnade geübt. Es ist eine seelensgute Nation, so lange man sie in Frieden läßt und in Freundschaft mit ihr lebt, aber furchtbar wenn gereizt, und blutdürstig glaub' ich, wie noch in den alten heidnischen Zeiten.«
»Und wird sie lange bleiben?« frug René, noch immer den Kopf der Wand zugedreht.
»Wer? – die Nation? – ah, Sie meinen Susanna?« fuhr Madame Belard, den Blick fest auf ihn geheftet, fort, als er schwieg und das Blut wieder in seine Wangen zurück kehrte; – »nein, ich glaube nicht. Sie darf sogar nicht sehr lange wegbleiben, denn sie hat noch manches vor ihrer Abreise zu besorgen.«
»Sie kehrt nach Europa zurück?« sagte René, aber so leise, daß sie die Worte kaum verstehen konnte.
»Mit dem ersten Französischen Kriegsschiff – Herr Brouard wird mit seiner Frau ebenfalls Tahiti verlassen und Susanna will sich ihnen anschließen; der Admiral hat ihnen schon früher die Erlaubniß dazu ertheilt – ich wollte ich könnte mit.«
»Und geht das so bald?«