»Das ist noch unbestimmt; es hieß zuerst die Uranie würde segeln, jetzt glaubt man übrigens daß die Jeanne d'Arc als ein schnelleres Fahrzeug den Vorzug bekommen soll; aber es kann noch immer einige Wochen dauern. Doch fehlt Ihnen etwas Delavigne? Sie sprechen so gedrückt? – haben Sie wieder Schmerzen? vielleicht kann ich Ihnen den Verband lindern. Lassen Sie das gut sein« fuhr sie lächelnd fort, als er langsam mit dem Kopf schüttelte, »ich bin gar kein so ungeschickter Chirurg, wie Sie bald finden sollten.«
»Ach beste Madame Belard« sagte René da seufzend – »wie tief bin ich nicht auch außerdem schon in Ihrer Schuld, und wie soll ich Ihnen das je danken können? – Sie haben mich hier aufgenommen und gepflegt –«
»Bst – bst – bst« rief aber Madame Belard erröthend und ihre kleine Hand auf seinen Mund legend – »erstlich sollen Sie eigentlich gar Nichts reden, und dann noch viel weniger solchen Unsinn. Sie sind mir in Nichts verpflichtet, denn es versteht sich von selbst, sogar in der Heimath, daß der Bürger in Kriegszeiten Einquartirung bekommt, wie viel mehr also in einem so wilden Land wie hier. Halten Sie sich nur recht ruhig, daß Sie uns bald wieder gesund werden, oder doch wenigstens aus dem Bett können, denn Ihren Arm werden Sie wohl in den ersten Monaten noch nicht wieder brauchen können.«
»Wenn ich nur – wenn ich nur nach Atiu schreiben könnte« sagte René endlich zögernd, und mit einem kaum unterdrückten Seufzer.
»Hinüber dürfen Sie nicht, Delavigne« sagte Madame Belard ernst, »daran brauchen Sie nicht zu denken; ich habe auch schon mit Lieutnant Adolphe darüber gesprochen, denn wenn sich auch Ihre Wunde bis jetzt ziemlich gut angelassen hat, verlangt sie noch immer, wie mir der Doktor gesagt, die sorgfältigste ärztliche Pflege, und so gut Sie Sadie, und vielleicht besser als wir hier, pflegen würde, so wenig ist sie im Stande dem zu genügen. Außerdem ist gar nicht mit dem Schuß zu spaßen, und wer weiß ob nicht selber schon der Transport die schlimmsten Folgen haben könnte.«
»Wenn es nur anginge« sagte René schüchtern und schwieg wieder, als ob er sich scheue auszureden, Madame Belard aber, die leicht seine Gedanken errieth, sagte freundlich. – »Sadie hier herüber zu bekommen? nicht wahr, das meinen Sie?«
»Aber nicht weil ich etwa glaube daß ich in Ihren Händen weniger gut aufgehoben wäre« rief der Verwundete schnell, »halten Sie mich nicht auch noch für undankbar, Madame Belard.«
»Nein, nein, lieber Delavigne« sagte die kleine Frau gerührt, »ich denke gar nicht daran, und Sie haben vollkommen recht; Sadie soll herüber kommen, so bald wir sie nur herüber bekommen können, und ich will heute noch an sie schreiben, daß der Brief bei erster Gelegenheit fertig ist. Wo aber kann man sich nach einer solchen erkundigen?«
»Im Hauptquartier und im Missionsgebäude« sagte René, »ich glaube aber fast daß in dem letzteren die erste Gelegenheit sein wird, denn die Missionaire unterhalten eine ziemlich regelmäßige Verbindung mit jener Gruppe.«
»Mein Mann soll noch heute Morgen die genausten Erkundigungen einziehn – sind Sie nun beruhigt?«