René streckte der kleinen freundlichen Frau mit einem dankenden Lächeln die Hand entgegen, die sie nahm und herzlich drückte, dann aber sagte sie, sich gewaltsam bezwingend, denn ein eigenes Weh dem sie nicht Worte geben konnte und wollte, schnürte ihr die Brust zusammen, »nachher schick ich Ihnen meinen Mann ein wenig, Delavigne, der mag Ihnen von dem Kampfe erzählen – er hat auch in der That von weiter noch Nichts gesprochen die ganze Zeit – das wird Sie unterhalten und zerstreuen und – regt Sie auch eben nicht so besonders auf. Aber da seh ich den Doktor kommen – nun erhalten Sie frischen Verband, und ich werde heute Susannas Stelle bei Ihnen vertreten.«

Der Doktor öffnete gleich darauf die Thür und grüßte Madame Belard freundlich.

»Ah Madame, sehr erfreut Sie hier zu sehn – und wie geht es unserem Kranken? – nun Monsieur? – guten Morgen, wie haben Sie geschlafen, und wie geht es unserem rechten Flügelknochen. Aber ha« – rief er etwas bestürzt aus, als er das Gesicht des jungen Mannes erblickte – »Sie sehn echauffirt aus, und haben sich jedenfalls, gegen meinen sehr strengen Befehl dahin, durch irgend etwas aufgeregt. Haben Sie Schmerzen?«

»Ja – ein Stechen in der Wunde – ich fühle den Pulsschlag so deutlich –«

»Da haben wir's, das Blut in Wallung; nun lassen Sie uns einmal untersuchen wie die Sache heute Morgen aussieht – hoffentlich nicht schlechter als gestern – wir dürfen nun nicht wieder zurück gehn, wir müssen machen daß wir vorwärts kommen.« Und während er noch sprach den Verband vorsichtig ablösend, hatte er kaum einen Blick auf die Wunde geworfen, als er auch schon sehr bedenklich mit dem Kopf schüttelte, und endlich seinem Unmuth in Worten Luft machte.

»Das ist nicht wie es sein sollte, die Entzündung ist eher schlimmer wie besser geworden, und wir müssen uns ungeheuer hüten daß wir keinen Rückfall bekommen. Ruhe ist aber dazu das Haupterforderniß, unbedingte, durch Nichts gestörte Ruhe, und wenn Sie Ihren Patienten bald wieder auf den Beinen sehn wollen, Madame, so müssen Sie mir dafür besonders mit Sorge tragen helfen. Ruhe ist ihm jetzt die beste Kur und je vollständiger er die genießen kann, desto eher wird sich seine jugendliche, kräftige Natur schon selber wieder Bahn brechen.«

Er gab dann noch mehre Verordnungen, bat Madame Belard keinen seiner Freunde, ohne Ausnahme welchen, wenn sie nicht unmittelbar bei der Verpflegung beschäftigt wären, zu ihm zu lassen, und versprach Nachmittag noch einmal vorzukommen und zu sehn ob sich nicht vielleicht bessere Symptome eingestellt hätten.

Es vergingen übrigens volle acht Tage, ehe wirklich eine wesentliche Besserung in dem Stand der Wunde eintrat; der Kranke hatte sich in der ganzen Zeit musterhaft gehalten und Monsieur und Madame Belard waren fast die Einzigen gewesen die Zutritt zu ihm gehabt, während sich indeß der Gouverneur sowohl wie alle übrigen Officiere täglich nach ihm entweder selber erkundigten oder erkundigen ließen.

Nach Atiu war noch immer keine Gelegenheit gewesen, doch sollte jetzt in etwa drei Tagen der Missionscutter hinüber gehn, und Madame Belard wartete nur auf die Ankunft des Geistlichen, der sich seit längerer Zeit in dem Lager der Eingeborenen im Hautauethale aufgehalten, diesem den Brief selber zu übergeben und seiner Sorgfalt zu empfehlen. Sie hatte René darüber beruhigt und ihm versichert, daß er seine Frau dann bald hier erwarten dürfe. Ein Zimmer für sie war schon hergerichtet worden.

Am andern Morgen kam Madame Belard früher als sonst zu dem Kranken, seinen Verband zu wechseln, was sie jetzt immer selbst besorgt, und sagte freundlich, aber mit einer gewissen ängstlichen Besorgniß im Blick: