»Und wenn sie uns hier in der Stadt angreifen?«

»Sie schienen ja eben noch nicht einmal zu glauben daß sie einem einzelnen Bataillon Stand halten könnten.«

»Ei, der Teufel traue den Schuften, manchmal sind sie zäh und werfen sich mit ihren nackten Leibern ganz tollkühn und einer besseren Sache werth in die Bayonnette, wie bei Tairabu.«

»Sie vertheidigen ihr Vaterland« sagte René ernst – »das ist die beste Sache, die sie vertheidigen können.«

»Meinetwegen« lachte der Franzose, »ich aber habe nun einmal meine ganz besondere Malice auf sie – also adieu, wenn Sie denn durchaus nicht mitwollen und auf Wiedersehn!« und rasch seinen Säbel umschnallend, den er indeß aus der Ecke geholt, und wobei ihm Einer der hier zur Bedienung gehaltenen indianischen Burschen, da er die linke Hand nicht gebrauchen konnte, helfen mußte, verließ er das Haus mit schnellen Schritten sich dem indeß schon voraus marschirten Trupp anzuschließen.


Die Sonne von Tahiti beschien, zum ersten Mal wieder, seit ihre Feudal- und Religionskriege bei Seite geworfen waren, ein wildes und kriegerisches Bild.

Kaum mehr als etwa zwölf englische Meilen von Papetee entfernt, wo die friedlichen leicht gebauten Bambushütten von Mahaena standen, hinter denen sich die gewaltigen Bergesmassen in steilen kurzen Hängen erheben, hatten sich die Bewohner der benachbarten Distrikte, nach dem Angriff auf Tairabu, zu kurzem Kriegsrath gesammelt, und mit zornig blitzenden Augen und geschwungenen Speeren Rache verlangt für das vergossene Blut der Brüder. Ein Schrei der Entrüstung zuckte durch das ganze Land, und was an waffenfähiger Mannschaft in der Nähe war eilte herbei, seinen Arm der Sache des Vaterlandes anzutragen.

Die am meisten fanatisirten Häuptlinge der Eingeborenen hatten sich hier gesammelt, Aonui und Potowai, Taaniri, Kahuahu und selbst Teraitane, und Boten wurden an Paofai, Tati, Utami, Hitoti und Paraita abgeschickt, diese ebenfalls der vaterländischen Sache zuzuwenden. Einzelne von diesen aber, wie Paofai und Hitoti hatten sich direkt geweigert Pomares Sache zu der ihrigen zu machen, während Paraita, Krankheit vorschützend, ebenfalls in Papetee blieb und nur Tati und Utami, der eine sich nach Papara, der andere nach Papeneeo zurückzog, dabei jedenfalls ihren Rücktritt von den französischen Interessen erklärend.

Nicht müßig aber beriethen nur die Häuptlinge in Mahaena, sondern zu gleicher Zeit wurden an dem einen passendsten Hügelhang, auf den Vorschlag und unter der Anleitung mehrer englischer und irischer Matrosen, Befestigungen aufgeworfen, einem etwaigen Angriff auch die Spitze bieten und abwarten zu können, bis die ganze Insel gemeinschaftlich gegen die Unterdrücker aufstehn würde. Ueberhaupt hatten sich eine ganze Zahl Fremder, die sich früher hier nieder gelassen und den Einfluß der Franzosen fürchteten, den Eingeborenen gleich von allem Anfang angeschlossen, von denen sie, wenigstens von den meisten, gar sehr willkommen geheißen wurden. Es war diesen schon gewissermaßen eine Beruhigung Weiße mit sich gegen Weiße zu wissen und in der Führung der Feuerwaffe, die sie hier zum ersten Mal in die Hände bekamen, brauchten sie auch noch Leute die sie mit den Geheimnissen derselben betraut machten. Die meisten dieser Weißen waren früher entlaufene Matrosen von Wallfischfängern, ja hie und da aber auch sogar von den französischen Kriegsschiffen selber, die sich in den steilen unwirthbaren Bergen nicht halten konnten, und jetzt wohl genöthigt wurden die Waffen aufzugreifen, ihre eigene Freiheit zu vertheidigen.