»Sie sind Capitain geworden« lächelte das Mädchen endlich, das zuerst die Fassung wieder gewann, mit einer eigenen Mischung von Stolz und Schmerz, und fest entschlossen dem Gespräch jetzt eine andere, gleichgültigere Richtung zu geben. – »Sie müssen aber auch wirklich mit einer ordentlich rasenden Tapferkeit gefochten haben. Monsieur Bertrand konnte uns nicht genug davon erzählen.«

»Bertrand ist mein Freund« lächelte René, dem sich mit der Wendung des Gesprächs eine Centnerlast von der Brust wälzte – »es hat ihm selber Freude gemacht etwas Günstiges über mich zu sagen, und da mag er wohl übertrieben haben. Ich that nicht mehr als alle Kameraden.«

»Dem ist doch wohl nicht so; man behauptet sogar, nur Ihrem ungestümen Angriff sei es zu danken, daß man im Stande gewesen wäre die Wilden von der Erstürmung des Arsenals abzuhalten, dessen Resultat dann furchtbar hätte sein müssen, da die Eingeborenen, mit keiner Idee von der entsetzlichen Wirkung und Macht des Pulvers, jedenfalls auf das aus trockenem Bambus bestehende Gebäude gefeuert hätten.«

»Toll genug wären sie dazu gewesen« lächelte René – »aber hat man keine weitere Nachricht von ihnen? ich habe doch heute Morgen wieder schießen hören – was bedeutet das?«

»Ihre Landsleute beabsichtigten heute einen neuen Angriff auf ihre Befestigungen« erwiederte Susanna, »aber man verzweifelt hier selber an dem Erfolg, denn durch die früheren Verluste gewitzigt, haben die Insulaner jetzt eine Stellung eingenommen die fast unnehmbar scheint, und sicherlich noch viele Leben kosten wird, wenn nicht ein günstiger Zufall vielleicht, oder Verrath, die Schlüssel dazu in ihre Hände spielt. Sie sehen aber recht angegriffen aus, Delavigne, Sie brauchen Ruhe und ich fürchte ich habe Sie durch – mein Schwatzen nur mehr aufgeregt. Ich lasse Sie jetzt allein, aber so lange ich noch hier bin – und bis nicht liebere Hände kommen mir das Amt abzunehmen« – setzte sie leiser hinzu – »gestatten Sie mir wohl wieder daß ich Ihre Pflege übernehmen darf. Es ist ja doch nur noch so kurze Zeit die wir zusammen sind, und ich möchte wenigstens mit der Beruhigung von hier scheiden, daß Sie Ihrer Genesung rasch entgegen gehn.«

»Die Fleischwunde wird heilen« sagte René düster.

»Und mit der erstarkt auch der Geist« fiel rasch Susanna ein; »glauben Sie mir, René, so lange der Körper nicht gesund ist, scheint uns die Sonne selbst matt und trüb, und das Leben oftmals eine Last; doch mit dem gesunderen Blut kehrt Muth und Freudigkeit in unser Herz zurück. So schlafen Sie wohl jetzt, und mögen freundliche Träume ihrem Geist die Stimmung geben die er braucht – wenn Sie sich gestärkt haben, kehr ich zu Ihnen zurück – gute Nacht!« und mit freundlichem Kopfnicken die Hand ihm entziehend, die sich leise wieder der seinen gefügt, glitt sie aus dem Zimmer, den Kranken sich selber und seinen Gedanken, seinen Träumen überlassend.

Susanna übernahm jetzt wieder das Amt als Renés Wärterin, jede Stunde fast die Ankunft der Reine-Blanche erwartend, die dann in kurzer Zeit die vollständig zum Auslaufen bereite Jeanne d'Arc entsenden konnte; aber sie vermied von da an allein mit dem Kranken zu sein, und was sie zusammen reden konnten betraf nur gleichgültige Gegenstände. Auch einen Brief hatte René mit Adolphes Hülfe, dem er ihn diktirte, nach Atiu geschrieben, Sadie von seinem Unfall in Kenntniß gesetzt, und sie gebeten den rückkehrenden Missionscutter zu benutzen und mit dem Kind zurück nach Papetee zu kommen, wenn sie sich seinetwegen ängstige; aber es gehe besser mit ihm und er hoffe selber doch, wie ihm der Arzt gesagt, spätestens in drei bis vier Wochen dessen Sorge entbehren und hinüber zu können, wo ihn der Gattin Pflege bald wieder herstellen und gesund machen würde. Er entschuldigte sich dann auch, trotz Adolphe's Kopfschütteln, bei Sadie, daß er selber die Waffen aufgegriffen gegen ihre Landsleute; aber sie hatten ihn dazu gezwungen, es war in Selbstvertheidigung gewesen, und er blieb nicht Soldat, sondern kehrte nach Atiu zurück.

Mit dem Brief wurde ein junger Bursch in das Missionshaus geschickt, einen der Ehrwürdigen Herren dort, der gerade nach Atiu hinüberging, zu bitten ihn richtig zu besorgen, und womöglich die junge Frau selber, jedenfalls aber eine Antwort zurück zu bringen.

Mr. Rowe, der sein früheres Amt wieder aufgenommen, und eben im Begriff stand sich nach Atiu einzuschiffen, erhielt Brief und Botschaft.