»Nein, nein« rief er plötzlich in ängstlicher Hast, als ob er selber fürchte der Versuchung nicht widerstehen zu können, die ihm so entsetzlich lockend vor die Seele trat; »zurück nach Frankreich? nein, nein, das ging nicht an – und wenn nur zum Besuch? Sadie – Sadie« murmelte er leise und wie beschwörend vor sich hin.
»Und was würde Dich hindern Deine Frau mitzunehmen?« sagte Adolphe, dem das leise geflüsterte Wort nicht entgangen, nach kurzer Pause – »es wäre zugleich eine Art Probierstein für Dich für spätere Zeiten.«
»Nein Adolphe, nein« sagte aber René nach kurzem Sinnen, seinen Platz am Fenster wieder einnehmend, denn der Arm fing ihn an zu schmerzen vom vielen hin- und hergehn – »nie im Leben würde sich Sadie dort glücklich fühlen – noch ich mit ihr. Wie eine Treibhauspflanze, ihrem heimischen Boden entrissen, müßte sie verkümmern und – so lebensfrisch sie hier im Schatten ihrer Palmen blüht, untergehn. Und dann zugleich mit – Brouards.«
»Es wäre eine so schöne Gelegenheit, wie Du sie Dir nur wünschen könntest.«
»Ja – Du hast recht und doch – es geht nicht; auch gäbe Sadie nie ihre Einwilligung dazu – und die Reise mit dem Kind.«
»Bah, bah, das sind Kleinigkeiten wenn man sonst nur will« lachte Adolphe, »doch das mache mit Dir selber aus; wichtig genug ist es aber jedenfalls es Dir genau zu überlegen, und Dir bleibt dabei nicht einmal viel Zeit, denn heute Morgen schon wurde ein Schiff signalisirt das, wie man allgemein glaubt, die Reine blanche ist.«
»Die Reine blanche? – schon jetzt?« rief René rasch und Adolphe sagte lachend:
»Nun, das ist nicht übel – seit drei oder vier Wochen wird sie stündlich fast erwartet und dumpfe Gerüchte gingen schon, daß sie irgendwo vielleicht gar in einem Typhoon zu Schaden gekommen, und Du sagst »schon jetzt?« Dir muß die Zeit ungeheuer rasch verflogen sein. Doch ich muß fort, René« brach er, nach der Uhr sehend ab, »der Gouverneur hat mich rufen lassen; gegen Abend seh ich Dich wieder und – überleg Dir's.«
René schüttelte langsam und ernst den Kopf, während Adolphe mit freundlichem Gruß das Zimmer verließ, und gleich unten an der Thür Lieutnant Bertrand traf, der langsam mit ihm die Straße hinabschlenderte.
Das signalisirte Schiff war in der That die Reine blanche, die zwei Stunden später etwa, unter dem grüßenden Donner der Kanonen, in den Hafen einlief. Der Admiral kam aber an diesem Tag gar nicht an Land, sondern empfing nur die von Frankreich für ihn eingegangenen Depeschen und schrieb bis spät in die Nacht hinein. Am anderen Morgen hatte er eine lange Konferenz mit dem Gouverneur, und die Jeanne d'Arc bekam Ordre sich auf den nächsten Tag segelfertig zu halten. Zu seinem Erstaunen aber bekam René eine Einladung an Bord des Admiralschiffs zu kommen, wo Du Petit Thouars ihn in einer wichtigen Angelegenheit zu sprechen wünschte. Er ging um die bestimmte Zeit und fand dort, außer dem Gouverneur Bruat, Monsieur Belard und Brouard, und mehre französische Officiere; unter ihnen Adolphe und Bertrand.