»Lieber Capitain Delavigne« redete ihn der Admiral gleich nach seinem Eintreten freundlich an – »ich habe einen Auftrag für Sie – einen wichtigen Auftrag, an dessen geschickter und ehrlicher Ausführung mir viel liegt, und zu dem ich mir hier in Tahiti einen passenden Mann suchen wollte. Diese Herren hier haben mir Alle einstimmig Sie vorgeschlagen, und auf so gute und ehrenvolle Empfehlung hin glaub' ich in Sie denn auch mein volles Vertrauen setzen zu können. Was sagen Sie dazu?«

»Ich erwarte Ihre Befehle zu hören« sagte René, wirklich jetzt neugierig, auf was das Alles hinauslaufen sollte.

»Ich habe Sie zu meinem Gesandten nach Paris ausersehn« sagte der Admiral lächelnd – »wollen Sie gehn?«

»Herr Admiral!« rief René überrascht, fast erschreckt.

»Ich will ganz aufrichtig mit Ihnen sein« fuhr aber Du Petit Thouars, ohne ihn weiter zu Wort kommen zu lassen, fort, »denn ich habe mich schon selber gegen die Herren hier ausgesprochen. Nach den hier auf Tahiti stattgehabten Vorfällen läßt es sich denken, daß nicht allein die Protestanten in Europa, sondern auch manche Leute, die mir gerade nicht freundlich gesinnt sind, die Sache so weit zu unserem Nachtheil ausbeuten werden, wie nur irgend möglich. Wir werden den friedlichen Naturkindern gegenüber als Barbaren und Gott weiß was sonst noch hingestellt werden, und besonders zweifle ich nicht daran, daß die uns feindlich gesinnten Missionaire das ihrige nach besten Kräften thun werden, unsere Thaten recht schwarz und entsetzlich anzustreichen. Dem zu begegnen brauche ich einen Mann, der Zeuge des Ganzen gewesen und die Verhältnisse hier kennt, der aber auch, wie Sie, unabhängig und unbetheiligt, bis Ihnen die Notwendigkeit und Selbsterhaltung die Waffen in die Hand zwang, dem Kampfe zugesehn, und ich verlange nichts weiter von Ihnen, als daß Sie der französischen Regierung meine Depeschen überbringen, und dort Alles so, der Wahrheit treu, schildern, wie Sie es hier gefunden.«

»Dieser so ehrenvolle Auftrag –« stammelte René und der Admiral fiel ihm in's Wort.

»Bietet Ihnen zugleich die Gelegenheit sich von ihrer Wunde, die, wie ich gehört habe, keineswegs so ganz harmloser Natur ist, wieder vollständig zu erholen; Sie bleiben unter der Behandlung Ihres bisherigen Arztes, der natürlich mit seinem Schiffe geht und haben, glaub' ich, wenn ich recht unterrichtet bin, ganz angenehme Gesellschaft unterwegs, eine Seereise von vier Monat etwa, schon erträglich zu machen.«

»Lieber Delavigne« nahm jetzt Monsieur Belard das Wort – »es wird Ihnen hier eine Auszeichnung geboten, die sogar mit den vorteilhaftesten Umständen für Ihre eigene Gesundheit zusammentrifft, und manchen Anderen unendlich glücklich machen würde – ich glaube Ihnen gratuliren zu dürfen.«

»Aber meine Frau« rief René, »so ehrenvoll Ihr Vertrauen für mich ist, Herr Admiral, und mit so großem innigen Dank ich versuchen würde ihm zu entsprechen, so hab' ich doch Pflichten hier zu erfüllen, die ich nicht vernachlässigen darf, wenn ich nicht in Ihrer eigenen Achtung sinken wollte.«

»Ich weiß, Sie haben ein Indianisches Mädchen zur Frau genommen« lächelte der Admiral – »sie ist auf einer der Nachbarinseln? machen Sie sich keine Sorge deshalb, die zehn oder zwölf Monate die Sie abwesend zu sein brauchen, wenn Sie wirklich so rasch wieder zurück kommen wollen, soll sie unter unserem Schutze stehn.«