»Aber sie weiß kaum daß ich verwundet bin – erwartet mich wahrscheinlich mit jedem Tag, und ich dürfte nicht eine solche Reise unternehmen, ohne sie vorher nicht wenigstens noch einmal gesehn, gesprochen zu haben.«

»Auch das ließe sich vereinigen« erwiederte der Admiral, dem daran gelegen schien, gerade den jungen Mann für seine Mission zu gewinnen – »sagten Sie nicht Atiu hieß die Insel, Monsieur Belard?«

»Atiu ist der Name.«

»Gut; bei einer Reise von so viel Monaten kommt es nicht auf einen einzelnen Tag und ein paar Seemeilen an; die Jeanne d'Arc mag Atiu anlaufen und kann dort vielleicht gleich noch eine Parthie süße Kartoffeln und Brodfrucht mit an Bord nehmen, die doch hier jetzt nicht so leicht zu bekommen sind. Ist der Wind nur einigermaßen günstig, so behalten Sie da jedenfalls ein paar Stunden Zeit Ihrer Frau Adieu zu sagen. Hat das Ihre letzten Zweifel beseitigt?«

»Ihre Güte Herr Admiral.«

»Schön, schön – ich will Sie auch nicht drängen; die Sache ist allerdings wichtig für Sie, und ich gebe Ihnen, ohne jetzt irgend ein Versprechen von Ihnen zu verlangen, zwei Stunden Frist; bis dann muß ich aber eine entscheidende Antwort haben. In zwei Stunden also –« er nahm seine Uhr heraus und sah nach der Zeit, »etwa drei Viertel auf zwei Uhr – wir wollen zwei Uhr sagen, erwarte ich Sie wieder hier und dann können Sie gleich mein Gast zu Tisch sein; also auf Wiedersehn bis dahin;« und dem jungen Mann wie den Uebrigen freundlich mit der Hand winkend, nahm er Capitain Sinclairs Arm und zog sich mit ihm in seine Privatcajüte zurück.

»Triumph!« rief Adolphe, als er mit René und Bertrand wieder im Boote saß, und rasch dem Lande zuruderte, »Triumph René – Mensch, wenn Du Dir Alles beim lieben Gott bestellt hättest, konnte es nicht besser ausgefallen sein – die zwei Stunden Bedenkzeit sind eine wahre Ironie.«

»Was soll ich thun?« sagte, tief aufseufzend, René.

»Was Du thun sollst?« wiederholte Bertrand erstaunt – »zugreifen mit Lust und Wonne, und Gott auf den Knieen dafür danken. Mir füllt es die Brust mit unbeschreiblicher Seligkeit, daß wir die Fahrt jetzt wieder heimwärts lenken, und Du stehst noch da und sinnst und überlegst. René, René, wenn Du Dir diese Gelegenheit entschlüpfen läßt, bereust Du's sicherlich – die kehrt nicht wieder.«

»Ich weiß auch gar nicht, ob ich's mit meinem Arm wagen darf eine so lange Reise zu unternehmen« sagte René jetzt sinnend. »Ich muß doch jedenfalls erst den Arzt darüber fragen?«