»Sie haben recht« seufzte Madame Belard, Monsieur Belard aber sagte:
»Unsinn – jagen Sie sich die Grillen aus dem Kopf; erstlich legt Ihr Schiff da an, und dann werde ich selber im nächsten Monat nach den Gesellschaftsinseln und der Cooksgruppe hinüber gehn, meine Einkäufe zu machen – dann verspreche ich Ihnen daß ich dort vorfahren will, und hat Sadie Lust, ei so bring ich sie mit zu uns herüber, und sie mag bei uns bleiben bis Sie zurückkehren. Meine Frau wird sich doch für jetzt einsam genug fühlen, wenn Sie Alle fort sind.«
»Sie kommt nicht her zu uns« sagte die kleine Frau, mit dem Kopf schüttelnd – »ihr ist nicht wohl bei fremden Leuten und ich wäre die Letzte, die Delavigne zureden würde einen solchen Schritt zu thun; er muß es selbst am besten wissen – und so ganz ohne Abschied.«
»Papperlapapp – mach Du ihm nun auch noch das Herz schwer« rief aber Mr. Belard dazwischen – »ich will ihm auch nicht zureden, aber er soll sich die Sache selber und ruhig überlegen.«
»Ruhig überlegen« sagte René tief aufseufzend – »ruhig überlegen, wo mir das Herz zerrissen ist – ich kann, ich darf nicht fort – doch ich störe Sie hier« setzte er rasch, seinen Hut wieder aufgreifend, hinzu – »ich will hinüber in mein Zimmer gehn – wenn der Arzt kommen sollte, bitte – schicken Sie ihn wieder fort – ich werde ihn heute Abend selber aufsuchen.«
Und rasch sich abdrehend, seine Bewegung zu verbergen, suchte er sein eignes kleines freundliches Gemach, und warf sich hier den Kopf gesenkt in einen Stuhl, indeß die Augen trüb und sorgenschwer den Boden suchten.
Wohl eine Stunde hatte er so gesessen, die ihm gegebene Frist war bald abgelaufen und noch kämpfte sein Herz unentschlossen an gegen alles das, was ihm verführerisch lockend vorgehalten wurde, als ein leichter Schritt selbst in seinem Zimmer ihn rasch aufschauen machte, und er mit freudigem Schreck jenes wunderherrliche Mädchenbild erkannte, das seine Träume gefüllt und Tage lang ihm das Herz mit nagender Reue gefoltert hatte.
»Susanna!« rief er, halb flehend, halb abwehrend, und er mußte gewaltsam an sich halten, das Gefühl jetzt zu bergen, das in ihm tobte.
Er hatte sie noch nie so schön gesehn; das volle, kastanienbraune Haar konnte kaum in seinen reichen üppigen Massen von einem lichtblauen seidenen Netz gehalten werden, und quoll und drängte aus jeder Masche hinaus in's Freie; den schlanken Körper umschloß ein einfach dunkles Seidenkleid, das dem makellosen Teint nur noch höhern Reiz verlieh, und in den dunklen Augen lag heute ein so eigener, wunderbarer Schmelz, ihn schwindelte hinein zu sehn in dieser Sterne Tiefe.
»Ich hatte mich so gefreut« sagte sie endlich mit leiser, aber sonderbar bewegter Stimme, einer Mischung von Unmuth und Schmerz, von getäuschter Hoffnung sowohl, wie gekränkter Eitelkeit, dem sogar das Bittere im Ton nicht fehlte – »daß wir Reisegefährten auf so langer, sonst so langweiliger Fahrt werden sollten – aber wie mir Marie jetzt sagt haben Sie sich anders besonnen, und können sich nicht auf die paar Monat trennen von Atiu.«