»Oh Susanna« rief René bittend – »sein Sie nicht grausam – haben Sie Mitleid, wenn nicht mit mir, doch mit Sadie.«
»Mitleid?« sagte das junge schöne Mädchen kalt – »Sie scherzen wohl, Herr Delavigne, in welcher Art sollte ich Mitleid mit der – Indianerin haben? Mitleid« wiederholte sie mit sonderbar bewegter Stimme – »das ist das falsche Wort – wer hat Mitleid mit – doch was steh' ich da und schwatze;« brach sie rasch, fast ängstlich ab, während ein leichtes flüchtiges, wie krankhaftes Roth ihre Wangen für einen Moment färbte, und dann eben so rasch verschwand – »ich habe noch so viel zu thun – will aber auch nicht böse auf Sie sein« setzte sie freundlicher hinzu – »ich habe Ihnen schon früher versprochen Ihre Briefe für Sie nach Frankreich zu schreiben – Sie sollen mir dieselben heute Abend, wenn Marie zu Hause kommt, die jetzt Madame Brouard packen hilft, diktiren. Wie geht es heute Ihrem Arm?«
»Gut – sehr gut« hauchte René.
»Sie werden mich doch wohl in den ersten Tagen manchmal vermissen« sagte das schöne Mädchen, halb von ihm abgewandt – »und das ist einigermaßen eine Genugthuung mir das zu denken – ich bin nicht im Stande Sie anders zu strafen.«
»Susanna.«
»Schon gut – es ist Alles vorbei – heute Abend erwarte ich Sie drüben zu unserer Correspondenz – ich muß jetzt fort.«
»Susanna.«
»A revoir, monsieur Delavigne« sie winkte ihm leicht mit der Hand und verließ, sich rasch abwendend, das Gemach.
René blieb, die Augen fest und krampfhaft mit der Hand bedeckt, viele Minuten lang im Zimmer stehn; seine Pulse schlugen – seine Stirn glühte, seine Glieder zitterten in Fieberfrost, und wie bewußtlos endlich griff er seinen Hut auf und stürmte in's Freie – an den Strand hinunter – dort lag ein Boot.
»Gerade zur rechten Zeit, Monsieur!« rief der Bootsmann der Jeanne d'Arc, dessen rasch aufgeworfene Hand die eben eingetauchten Riemen seiner Leute zurückhielt.