»Mr. Bertrand befahl mir, Sie hier bis zwei Uhr zu erwarten – es ist zwei vorbei und ich wollte eben hinüber fahren an Bord des Admiralschiffs, weitere Befehle einzuholen.«

René erwiederte kein Wort – er sprang in das Boot und wurde an Bord gerudert.

»Nun Delavigne!« rief ihm Bertrand, der mit dem Lieutnant der Reine Blanche auf dem Quarterdeck auf und ab ging – »das ist brav, daß Du kommst – der Admiral hat Dich schon mit Schmerzen erwartet. Und Du bist der unsere?«

»Ich bin's« sagte René leise und des Freundes Jubelruf nicht beantwortend und ihm nur die gebotene Hand fest und leidenschaftlich drückend – verschwand er die Cajütstreppe hinab in den inneren Raum.


Ueber die See heulte der Sturm; vor dicht gereeften Segeln peitschte die Jeanne d'Arc gegen die bäumenden zürnenden Wogen an, bis in den Kiel erzitternd vor den gewaltigen Stößen, mit denen sich die See seinem Bug entgegenwarf. Alle Luken waren fest verschlossen, und die von Papetee mitgenommenen Passagiere lagen, mit Ausnahme eines einzigen, halbtodt an Seekrankheit in ihren Coyen.

Den linken gesunden Arm um eine der Besahnwanten geschlagen, stand an der Luvseite des Quarterdecks, den stieren glanzlosen Blick fest auf die zackigen Kuppen einer aus der Ferne eben sichtbar vorschimmernden Insel geheftet, René Delavigne – neben ihm, das Telescop in der Hand, und den linken Arm, sich zu sichern, um eine der Pardunen gelegt, Capitain Sinclair.

»Sie sehn, Delavigne« sagte er endlich, nachdem er lange und aufmerksam durch das Glas geschaut, und dieses wieder von den Augen nahm, »der Sturm will nicht nachlassen, und ich bin nicht im Stande, so leid es mir selber thut, die Insel anzulaufen. Ja thät ich es selbst, in dieser See, was ich Ihnen gar nicht zu sagen brauche, könnte nicht einmal ein Boot leben. Außerdem bin ich hier in einem, mir vollkommen fremden und von verborgenen Klippen bedrohten Fahrwasser. Sie wissen wie wir gestern fast nur durch ein Wunder dem Korallenriff entgingen, und wir wären Alle verloren gewesen wenn wir das trafen.«

»Sie haben schon weit mehr gethan, Capitain Sinclair« sagte René mit ruhiger, aber fast tonloser Stimme, »als ich je gewagt hätte von Ihnen zu erbitten – mehr fast als sie verantworten können. Ich sehe ein daß es unmöglich ist Atiu zu erreichen, ja daß wir selber hier mit einbrechender Nacht vielleicht gefährdet würden länger zu kreuzen. Ich bitte Sie, thun Sie Ihre Pflicht.«

»Lieber Delavigne« sagte der Capitain gerührt, »ich fühle ganz das Bittere Ihrer Lage, aber trösten Sie sich auch wieder mit einer baldigen Rückkehr. Was sind die paar tausend Seemeilen herüber und hinüber, wie bald trägt uns das gute Schiff an die heimische Küste. – Gingen Sie aber jetzt nicht lieber hinunter? – wenn ich das Schiff vor dem Wind abfallen lasse, können wir wohl ein paar Seeen hinten über bekommen, ehe die Segel ordentlich gefaßt haben; die See geht gerade nicht so ungeheuer hoch eine Gefahr zu befürchten, aber es ist doch unangenehm.«