René hätte in diesem Augenblick keine erwünschtere Entschuldigung finden können, einer ihm jedenfalls peinlichen Besorgniß, ja mehr noch, weiteren Fragen auszuweichen, und Sadie freundlich zunickend, bot er der Frau Belard den Arm. Diese aber, die ihm noch scherzend den Text las über seine für sie keineswegs schmeichelhafte Unhöflichkeit, bat er jetzt mit all jenem liebenswürdigen Leichtsinn, der ihm so gut stand vielleicht weil er ihm so ganz natürlich war, um Verzeihung, des begangenen Fehlers wegen, den er schon wieder gut machen wolle, wenn sie nur eben freundlich genug sein würde ihm Gelegenheit dazu zu gönnen.

»Hallo Sadie,« sagte in diesem Augenblick Aumama, die an ihre Seite trat, »Du machst ja ein merkwürdig ernstes Gesicht — bist Du schon müde?«

Sadie schüttelte lächelnd mit dem Kopf.

»So leicht nicht, Aumama,« sagte sie leise, ihren Arm um der Freundin Schulter legend, »und mir gefällt das Tanzen wundergut, wenn ich nur wüßte« setzte sie wieder ernster werdend und leiser hinzu — »ob wir auch recht thun mit solcher Lust, und vielleicht nicht gar eine Sünde begehen, von der wir uns selber vorlügen, daß das Ganze ja doch nur eine unschuldige Freude sei.«

»Und was ist's sonst?« lachte Aumama, »nimm mir den Tanz, und ich geb' Dir mein Leben in den Kauf. — Nur die Gesellschaft — und die Art hier wie sie's treiben gefällt mir nicht. — Das Umfassen hemmt die freie fröhliche Bewegung der Glieder, das Drehen treibt mich schwindlich, daß sich die Stube mit mir im Kreise wirbelt. Auch die Wände, der Boden hier machen mich irr und unbehaglich; mir wird als ob ich draußen im Canoe in offener See triebe und die Wellen mich auf und nieder würfen. Nein, gieb mir den freien offenen Plan, die blühenden Zweige und blinkenden Sterne über uns, die lustige Trommel zum Einschlag in Tritt und Sprung, und ich bin Dein mit Leib und Seele, wie Du mich willst. Hei wie die Tapa im Winde flattert und die Locke Dir um die Schläfe jagt, wie das Blut da durch die Adern schießt, und zu flüssigem Feuer wird, eh' es zum Herzen zurückkehrt. Bah, hier der Tanz ist kalt — kalt wie das Land aus dem er kommt, und es kann mir das Herz nicht erwärmen, ob sie auch blasen und Specktakel machen mit ihren wunderlichen Instrumenten, aus Leibeskräften. Nicht einmal eine Trommel haben sie dabei, und das nennen sie Musik.«

»Du bist ein wunderliches Mädchen,« lächelte Sadie — »fremde Völker haben doch auch fremde Sitten.«

»Eben deshalb sollen sie uns die unseren lassen,« trotzte Aumama — »aber, was ich Dich fragen wollte,« setzte sie ernster hinzu — »wer ist das weiße Mädchen das mit René so lange tanzte, und so viel mit ihm zu sprechen hatte?«

»Ich weiß es nicht,« sagte Sadie — »eine Fremde, glaub' ich, die von Papara oder dessen Nachbarschaft kommt, und wohl hier wohnen bleiben wird; — warum?«

»Mir gefiele das nicht, wär' ich wie Du,« sagte die Freundin mit dem Kopfe schüttelnd — »sie hat ein glattes listiges Gesicht und ihr Blick — ich konnte ihre Sprache nicht verstehen, aber das ist oft nicht nöthig wenn die Augen so deutlich reden wie die Lippen.«

»Und was haben die Dir gesagt?« frug Sadie.