»Es ist zu spät darüber jetzt zu klagen,« sagte ihr Bruder finster – »was ich mir aufgebürdet, muß ich tragen, und wie es mein Herz auch hier nach Deutschland ziehen und hier halten mag, mein selbstgeschaffenes Schicksal zwingt mich in jenen fernen Welttheil zurück.«

Graf Galaz hatte in der ganzen Zeit kein Wort gesprochen. Er stand mit der Schulter an den Pfeiler der Gartenthür gelehnt, die Arme untergeschlagen, die Augen, so lange Eduard sprach, fest und forschend auf diesen geheftet. Jetzt schaute er still und überlegend vor sich nieder.

»Und ist das Dein fester Wille?« sagte er endlich leise.

»Was Anderes soll ich – kann ich thun?«

»Laß uns Zeit zum Ueberlegen Eduard,« erwiederte da der Graf ruhig, »denn die Sache ist in der That zu wichtig, um über's Knie gebrochen zu werden. – Ich will es mir indessen überdenken – ich will mit Deiner Schwester darüber reden, ich – muß mir selber erst klar darüber werden, denn ich kann Dir gestehen, Du hast uns überrascht – ich war auf etwas Derartiges nicht vorbereitet.«

Eduard wollte etwas erwiedern, aber er vermochte es nicht. Er ging auf Graf Galaz zu und drückte ihm die Hand, küßte seine Schwester und verließ dann rasch das Zimmer. Draußen befahl er sein Pferd zu satteln, und ritt gleich darauf hinaus in den Wald.

Auch Galaz blieb nicht daheim – er ließ sich die neu gebrachten Pferde einschirren, und ging indessen, während Alexandrine auf dem Sopha saß und still weinte, mit raschen Schritten im Saale auf und ab – aber keins von ihnen sprach ein Wort. Erst als der Diener meldete es sei vorgefahren, und dann wieder die Thür schloß, trat er zu seiner Gattin und sagte herzlich:

»Sorge Dich nicht, Alexandrine; es kann noch Alles gut werden – lasse mir nur Zeit zum überlegen – Dein Bruder ist in treuen Händen, sei versichert.«

»Mein guter Rudolph, oh, der arme, arme Eduard!«

»Banne die trüben Gedanken, Schatz, ich bin bis um 12 Uhr wieder zurück; bis dahin wird auch Eduard vielleicht da sein, und wir halten dann Familienrath.«