»Der andere,« sagte der Graf, »ist der, daß Du Deine Frau herüber kommen läßt und mit ihr auf Dein Gut in Schlesien ziehst, um dort, abgeschlossen von der Welt, zu leben. – Dann freilich bist Du für uns verloren, und, einen gelegentlich kurzen Besuch abgerechnet, würden wir wenig von einander zu sehen bekommen. Aber selbst dort bleibst Du dem ausgesetzt, daß sich die benachbarten Gutsherren von Dir zurückziehen – die Männer weniger als die Frauen, denn jeder Stand, mein Freund – wir ändern nun einmal die Welt nicht – hat seinen Stolz, und hält auf seine Rechte.«
»Und sind solche Vorurtheile nicht thöricht? – schlecht?« rief Eduard bewegt aus.
»Sie haben ihre Berechtigung,« erwiederte ruhig der Graf. »Ich selbst halte die Menschenrechte des gemeinen Arbeiters so hoch, als meine eigenen, aber – ich verkehre trotzdem nicht gesellschaftlich mit ihm, weil sein Bildungsgrad dem meinen nicht behagt, weil seine Angewohnheiten und Sitten mir nicht in meinem gewöhnten Leben zusagen – nicht etwa aus dem Grund, weil ich ihn geringer achtete. Erstlich kann ich mich nicht mit ihm über das unterhalten, was mich interessirt, dann raucht er einen sehr schlechten Tabak und spukt in die Stube – lauter Dinge, die mir fatal sind und mir Ekel verursachen. Er gebraucht auch kein Eau de Cologne – obgleich er es manchmal nöthig hätte; kurz, ich fühle mich nicht in seiner Gesellschaft behaglich und ihm geht es mit mir genau so. Glaube auch um Gottes Willen nicht, daß unser Stand allein dieses Vorurtheil hat; bis zu den untersten Schichten der menschlichen Gesellschaft triffst Du das nämliche – »Gleich und gleich gesellt sich gern« ist ein altes vortreffliches Sprichwort und wir müssen dafür büßen, wenn wir es vernachlässigen. Folgst Du also meinem Rath, so setzt Du Dich in Güte mit der Familie auseinander. Du hast die Mittel, sie vollständig und reichlich zu entschädigen, ja ihnen für Sorgen und Noth, die sie vielleicht bis jetzt gehabt, einen Wohlstand zu schaffen. Das bist Du ihnen auch schuldig und wirst nicht knausern.«
»Und sein Kind?« rief da Alexandrine, die bis jetzt mit ängstlich erregten Zügen den Worten des Gatten gelauscht hatte – »oh, wie hart, wie grausam Ihr Männer seid! Und das arme Wesen, das ihm ihre Liebe gegeben, ihm ihr ganzes Leben geweiht hat, gilt Euch nichts weiter, als daß man ihr Schmerz und Sehnsucht mit Geld – mit einem »Wohlstand« abkaufen könne?«
»Und weißt Du einen anderen Ausweg, Alexandrine?«
»Wäre es denn nicht möglich die Frau zu uns herauf zu ziehen?« rief bittend die Gräfin, »sollte Eduard so tief gegriffen haben, seine Gattin aus dem rohsten, unformbarsten Material zu wählen?«
Eduard schwieg und sah seufzend vor sich nieder.
»Also wirklich,« stöhnte die Schwester, »aber so beschreib' uns Deine Frau,« rief sie plötzlich, von einer neuen Hoffnung belebt – »Du hast uns noch kein Wort über sie gesagt – beschreib' sie, wie sie ist – wie Du sie lieben lerntest – wie sie Dein Herz gewann. Sie mag von niederem Stande sein,« fuhr sie lebendig fort, »und doch hat man Beispiele, daß sich gerade Frauen in selbst ungewohnte Verhältnisse leicht und ungeahnt rasch hinein fanden. – Sie hat doch ein hübsches, freundliches Gesicht?«
»Lieb und gut,« sagte Eduard bewegt, »ihre Züge sind nicht grob oder bäuerisch, eher fein, ja fast edel – ihre Hände, trotz der harten Arbeit, die sie gethan, weiß und zart. Sie hat blondes Haar und treue blaue Augen und ist schlank und hoch von Wuchs.«
»Wo stammt sie her?«