»Ihr Geburtsort ist Landau. Aber täusche Dich nicht, Alexandrine,« setzte er hinzu, »aus einem Kinde läßt sich ein ander Wesen formen, nicht aus einer erwachsenen Frau. Sie kennt Nichts von der Welt, als daß sie zur Arbeit von Jugend auf bestimmt war; sie hat Schreiben und Lesen gelernt, und ein klein wenig Rechnen: dies, mit ihrem Katechismus, bildete ihre einzige Erziehung. Sie singt wie eine Lerche, aber lachte laut auf, als ich ihr die ersten Noten zeigte und ihr erklären wollte, daß das Töne wären. – Auch in anderer Weise hab' ich es versucht – es that mir im Herzen weh, sie so in Unwissenheit hinleben zu sehen; ich verschaffte mir Bücher und wollte sie zum Lesen bringen – aber umsonst. Ja, kleine fade Geschichten und Schnurren las sie wohl einmal und lachte herzlich darüber, aber sie bekam es rasch wieder satt, warf das Buch fort, sagte das sei Faullenzen, und sprang singend an ihre Arbeit.«

Alexandrine hatte ihm schweigend zugehört, und während er sprach, haftete ihr Auge ernst und wehmüthig an seinen Zügen.

»Und nun?« sagte sie, während sich ein tiefer Seufzer ihrer Brust entrang – »was hast Du selbst beschlossen, denn Dir vor Allen gebührt die Entscheidung für Deinen künftigen Lebensweg.«

»Ich weiß es selber nicht,« stöhnte Eduard – »ich fühle, daß Rudolph Recht hat, und doch zieht mich mein Herz dorthin zurück, wo ich nie wieder glücklich werden kann. Wollte Gott, ich wäre todt.«

»Das ist der Ausruf feiger Verzweiflung,« sagte der Graf kalt, »schäme Dich, Eduard, in Deine Seele hinein. Erst im Unglück beweist sich der Mannesmuth, im Sturm der tüchtige Seemann, und wer da zaghaft das Ruder aus den Händen läßt, verdient nichts Besseres, als daß er eben zu Grunde geht.«

»Aber was soll ich thun?«

»Sei ein Mann.«

»Und mein Kind?«

»Vom achten Jahre an gehört es dem Vater. Sie wird es Dir auch nicht vorenthalten, wenn ihr des Kindes Wohl am Herzen liegt. Ist es Knabe oder Mädchen?«

»Ein lieber, herziger Knabe, der der Mutter sprechend ähnlich sieht.«