»Und von dem soll sie sich trennen?« sagte Alexandrine bewegt.
»Noch lange nicht, mein Herz,« erwiederte ihr Gatte – »noch viele Jahre soll sie es bei sich behalten, bis sie selber anfängt, sich um seine Erziehung zu sorgen. Dann erst übernimmt der Vater dieselbe, und enthebt sie dadurch einer Last und Verantwortlichkeit.«
»Einer Last,« wiederholte die Frau wehmüthig – »oh wie wenig versteht Ihr Männer doch das Herz einer Mutter. – Einer Last – als ob uns ein Kind eine Last sein könnte. Aber Eines bedenke wohl, Eduard – was Du auch thust, handle nie, daß es Dir zu einem Vorwurf für Dein späteres Leben wird.«
»Aber Alexandrine,« rief ihr Gatte.
»Gott ist mein Zeuge,« sagte die Gräfin bewegt, »wie glücklich es mich machen würde, Eduard bei uns zu behalten, aber – ich möchte dieses Glück nicht mit der Ruhe seines Gewissens erkauft haben.«
»Und soll er sein Weib unglücklich machen,« rief ihr Gatte, »indem er sie in Kreise und Verhältnisse führt, in denen sie sich elend fühlen muß? Willst Du die Verantwortung tragen, wenn sie ihn selber anklagt, sie aus ihrer Sphäre gerissen zu haben? –«
»Oh mein Gott!« stöhnte die Frau.
»Ueberlaßt mir das Ganze,« sagte der Graf freundlich, »ein Dritter ist da immer weit besser im Stande ruhig und kaltblütig zu handeln, als die dabei Betheiligten. Was ist ihr Vater für ein Mann, Eduard?«
»Ein ehrlicher braver Handwerker,« erwiderte Benner, »bieder und derb, aber auch natürlich roh und rücksichtslos, doch mit viel praktischem Verstand, soweit es eben sein Geschäft und auch den Ackerbau betrifft. Er hat in seiner Jugend hart gearbeitet, um etwas vor sich zu bringen, und da er das erreicht, scheint sich sein Fleiß, anstatt das Gewonnene zu genießen, verdoppelt zu haben.«
»Er liebt das Geld?«