»Ich weiß es nicht,« erwiderte unentschlossen der junge Mann – »jetzt nicht – nicht in nächster Zeit – ich bleibe bei Euch – ich könnte jetzt nicht einmal fort, wo mir so viel zu ordnen, einzurichten bleibt. Lass' mir Zeit, Rudolph, ich bitte Dich dringend darum.«

»Ich dränge Dich nicht,« sagte der Graf ruhig – »besser für alle Theile wäre es freilich, so rasch als möglich zu einem Verständniß zu kommen, denn Nichts ist peinlicher, als eine solche Ungewißheit, ein solches Schwanken. Aber ich bin auch damit einverstanden, daß Du Dich noch erst ein wenig mehr in unsere Verhältnisse einlebst. Was dann geschehen muß, geschieht doch. Uebrigens versteht es sich von selbst, daß wir der Welt gegenüber Nichts von der Sache erwähnen; wir wollen nicht muthwillig ihre Vorurtheile herausfordern.«

Achtes Capitel.
Der Besuch.

Eduard von Benner hatte sich dadurch sein Loos erleichtert, daß er sich offen gegen seine Verwandten ausgesprochen; er brauchte jetzt kein Geheimniß vor ihnen zu verbergen, aber in der Sache selber war freilich noch immer Nichts damit geändert – gebessert worden. Nur Zeit hatte er gewonnen – Zeit um zu grübeln und zu brüten und unentschlossen zwischen dem zu schwanken, wohin ihn die Pflicht zog, und dem, wozu ihn die Verhältnisse, seine ganze gesellschaftliche Stellung in der Welt trieben.

Er vergaß aber dabei nicht sein Weib und Kind, und hielt wenigstens insofern Wort, daß er für ihr materielles Wohl sorgte. Er schickte Geld hinüber und entschuldigte sein Zögern. Er erhielt auch Antwort, obgleich er noch in keinem Brief seine Adresse hinübergesandt. Der gefällige Becher vermittelte das stets durch seine »Consularverbindungen«. Der Brief kam richtig an – aber er konnte sich nicht darüber freuen. Wohl gab er ihm Kunde, daß sich Frau und Kind gesund befanden und nach ihm mit treuer Liebe sehnten, aber – er war entsetzlich unorthographisch geschrieben und auf grobem Schreibpapier, die Oblate mit einem Six pence zugedrückt – Er verbrannte den Brief, damit er nicht zufällig in andere Hände fiele.

Arme Henriette, und so viele, viele Mühe hattest Du Dir gegeben, diese Zeilen zusammen zu bringen, und so viele heiße Thränen dabei geweint, und Dich doch so sorgfältig dabei gehütet, daß keine von allen auf das Blatt fiel, um Deinem Eduard keinen Kummer zu bereiten.

Und die Zeit verging – Schon waren 18 Monate verflossen, seit er deutschen Boden wieder betreten hatte, und in seinem Verhältniß zu Australien keine andere Veränderungen eingetreten, als daß seine Geldsendungen reichlicher – seine Briefe aber dahin spärlicher und kürzer wurden.

In dieser Zeit, während er sich den geselligen Freuden der Nachbarschaft mit Leib und Seele hingab, ward ein Unterschleif entdeckt, den sein Verwalter auf dem schlesischen Gut gemacht hatte, und es war nöthig geworden, die Sache dort selber an Ort und Stelle zu untersuchen und in Ordnung zu bringen. Da zu dem Gut nicht unbedeutende Jagd gehörte, so entschloß sich Graf Galaz ihn zu begleiten, und ihre Abwesenheit wurde auf vier bis sechs Wochen festgestellt.

Gräfin Alexandrine blieb in dieser Zeit allein auf Schloß Galaz zurück und es war am zweiten Tag, nachdem sie ihr Gatte und Bruder verlassen hatten, als der Haushofmeister in ihr Zimmer trat und meldete, es sei ein Mann und eine Frau draußen, die den Herrn Baron von Benner zu sprechen wünschten.

»Ein Mann und eine Frau?«