»Meinen Bruder?«
»Yes« erwiederte der Mann, »der alte Herr da draußen – wahrscheinlich Ihr Mann – sagte uns schon, daß Sie die Frau Schwester wären, er meinte aber, er wäre nicht zu Hause – der Herr von Benner nämlich, und da – da wollten wir nur fragen, wann er wieder kommt, Frau Gräfin.« –
»Und kann ich es nicht an ihn ausrichten,« sagte Alexandrine, die sich Gewalt anthun mußte ruhig zu bleiben – »er ist verreist, und es kann vier bis sechs Wochen dauern, ehe er wieder kommt –«
»Alle Teu– bitte um Entschuldigung,« sagte der Mann erschrocken, »es fuhr mir nur so heraus – das ist aber eine schöne Bescheerung. Nun sind wir den weiten schmählichen Weg hergekommen –«
»Und woher, wenn ich fragen darf,« hauchte die Gräfin, aber so leise, daß er die Worte kaum verstand.
»Woher? – ih, man blos vom anderen Ende der Welt,« sagte der Bauer – »von Australien.«
»Von Australien! – und das – das ist Euere Tochter?«
»Na, Sie wissen's ja wohl schon, Frau Gräfin,« sagte der Alte jetzt treuherzig – »wenn Sie die Schwester vom Eduard sind, so müssen wir ja verschwägert sein – s'ist seine Frau, die Jette, die's vor Jammer und Sehnsucht nicht mehr da draußen aushalten konnte.«
Alexandrinens Blick haftete fest auf den schüchternen aber jetzt todtenblassen Zügen der jungen, bildhübschen Frau.
»Und Du bist den weiten, weiten Weg gekommen, um ihn aufzusuchen?« sagte sie endlich gerührt – »Du armes, armes Kind!«