»Na nu?« rief der Alte erschreckt – »es ist – es ist ihm doch nicht etwa was passirt?«

»Nein, beruhigt Euch – er ist wohl und gesund,« sagte Alexandrine.

»Na und sonst?« frug der alte Schuhmacher mißtrauisch. »Die Jette hat's nicht mehr daheim gelitten – vor Spott und Neid konnt' sie es nicht mehr aushalten, und wenn ich hier,« fuhr er sich in dem Zimmer umschauend fort, »die vornehme Wirthschaft sehe, so, so kommts mir beinah auch so vor, als ob die Nachbarn da draußen doch am Ende –«

Alexandrine hörte gar nicht was er sprach. Ihre Blicke hingen an der lieben, herzigen Gestalt der jungen Frau, und auf sie zugehend und ihr die Hand entgegenstreckend, sagte sie mit tiefem Gefühl:

»Und so lieb hast Du den bösen Menschen, daß Du das weite Meer nach ihm durchschifftest?«

»Den bösen Menschen?« rief Henriette erschreckt, aber doch auch wieder von dem freundlichen Ausdruck in den Zügen der so stattlichen Dame angezogen. »Glaubt es nicht, Frau Gräfin, er ist wirklich gut, und wer weiß denn, was ihn abgehalten hat, daß er nicht heim zu seinem Weib und Kind kommen konnte.«

»Und wo ist Dein Kind? – lebt es?«

»Lebt es? großer Gott!« rief die Frau erschreckt, »wird's nicht leben, der liebe kleine Bursch, der so gewachsen ist, daß ihn sein Vater kaum mehr kennen mag.«

»Und wo ist er jetzt? hast Du ihn daheim gelassen?«

»Meinen kleinen Bursch?« sagte die Frau, indem sie lächelnd den Kopf schüttelte – »glaubt Ihr Frau Gräfin, daß ich von Australien fortgegangen wär' und den zurück gelassen hätt'? Im Leben nicht.«