»Aber wo hast Du ihn jetzt?«

»Im Wirthshaus drunten im Dorf ist er,« sagte die Frau, die bei der Erinnerung an ihr Kind die bisherige Scheu vergaß – »die Wirthin scheint eine gar liebe, gute Frau, und die versprach mir, auf den kleinen Kerl Acht zu geben, bis wir wieder vom Schloß herunter kämen.«

»Yes, Frau Gräfin, so ist's,« bestätigte aber auch der Vater – »wußten's ja nicht, wie uns Ihr Bruder empfangen würde, da er von der Jette doch wohl Nichts mehr wissen will, denn wie ich sehe, ist er jetzt wieder ein vornehmer Herr geworden. Ich wollt' auch nicht her, aber das Kind ließ eben keine Ruh. Tag und Nacht weinte sie und jammerte, und – da that ich ihr endlich den Willen, und jetzt wird sie wohl wieder mit gebrochenem Herzen zurückgehen können – nach Australien.«

»Und glaubst Du das auch, Henriette?« sagte die Gräfin, die bis dahin kein Auge von der Frau verwandt, so daß diese, durch das scharfe Anschauen beschämt und furchtsam den Blick vor ihr zu Boden schlug.

»Gott weiß es,« seufzte aber die junge Frau recht aus tiefster Brust, »seine Briefe sind freilich kürzer geworden mit jedem Mal – gut und lieb wie immer, aber so kurz. Er hatte mir nicht viel mehr zu schreiben und schickte mir nur Geld – viel Geld – viel mehr als ich brauchte und haben wollte. Da litt mich's nicht länger – da quält' ich den Vater bis auf's Blut, bis er mit mir ging, und jetzt –«

»Und jetzt, Henriette?«

»Jetzt will ich den Eduard fragen,« sagte die Frau leise, »ob er noch was von mir und dem Kinde wissen will, oder – ob er sich unser schämt, wie mir's der Apotheker in Tanunda prophezeiht hat, daß es so kommen würde und müsse, und nachher –«

»Und nachher, Henriette?«

»Dann geh ich mit dem Vater und dem Kind wieder heim,« sagte die junge Frau leise »und – Gott wird weiter helfen.«

»Ist das Dein Ernst, Henriette?«