»Ja Frau Gräfin.«

»Und weshalb nennst Du mich Frau Gräfin?«

»Sind Sie denn das nicht?«

»Aber wenn ein Mädchen einen Mann geheirathet hat,« sagte Alexandrine, ihr ruhig in's Auge sehend, »und der Mann hat eine Schwester, so nennt sie die Schwester doch wohl gewöhnlich nicht bei ihrem Titel, sondern bei ihrem Vornamen – und ich heiße eigentlich Alexandrine.«

»Ja – aber Frau Gräfin,« sagte Henriette bestürzt, denn sie verstand nicht, was die Dame damit meinte, »das – das ist wohl so bei unsern Leuten Gebrauch, aber –«

»Und bin ich nicht Eduards Schwester, Henriette?«

»Ja – ja,« sagte die junge Frau bewegt und ein paar große helle Thränen glänzten in ihren Augen – »Sie sind schon Eduards Schwester, aber ich – ich – ich weiß ja nicht, ob ich Eduards Frau mehr bin.«

Da hielt sich die Gräfin nicht länger.

»Henriette,« rief sie, »mein liebes, liebes Kind,« und die bestürzte Frau umfassend und an sich pressend, drückte sie ihr heiße Küsse auf Stirn, Mund und Augen.

»Ja, was wär denn das?« sagte der alte Schuhmacher, auf's Aeußerste erstaunt – »Sie küssen das Mädel, und der eigene Mann –«