»Ueberlaßt das mir, Alter,« lächelte die Gräfin unter Thränen, indem sie ihm die Hand hinüberreichte – »wollt Ihr Euer Kind glücklich sehen?«

»Das ist eine kuriose Frage für einen Vater,« sagte der alte Schuhmacher, »aber – nehmen Sie mir's nicht übel, Frau Gräfin, bis jetzt sah ich noch Nichts, was darauf hinzeigt. Ist der Herr Eduard wirklich verreist?«

»Seit vorgestern; er hatte keine Ahnung, daß Sie kommen könnten.«

»Das glaub' ich wohl,« lächelte der alte Mann, »denn geschrieben haben wir Nichts davon; aber wie er das viele Geld schickte, meinte die Jette, das könne man nicht besser anwenden, als zu einer Reise hierher. Ob sie recht gehabt hat? – wer kann's wissen. Wenn er aber wirklich noch was von ihr wollte, hätte er ihr da nicht selber geschrieben, sie solle herüber kommen, er hielt's nicht länger ohne sie aus? Gott bewahre; kein Wort davon. Ja, geschickt hat er reichlich, fehlen sollt' es ihr an Nichts – aber daß ihr dadurch gerade Alles fehlte, daran scheint er nicht gedacht zu haben. Jetzt macht er nun auch noch so lange Reisen, und wie soll's da werden? Ich kann nicht so lange von daheim wegbleiben und mich noch Monate lang hier hersetzen – das kost' auch ein schmähliches Geld.«

Alexandrine hielt die junge schüchterne Frau noch immer in ihrem Arm, und ihr in das gute treue Auge sehend, sagte sie herzlich:

»Und wollt Ihr uns Euer Kind hier zurück – wollt Ihr es mir überlassen, wenn Ihr wieder von uns geht?«

»Ihnen, Frau Gräfin?« sagte der alte Mann erstaunt, »und nicht Ihrem Mann? – Aber ich sehe freilich schon wie es ist,« setzte er, langsam mit dem Kopf nickend hinzu – »so vornehm habe ich mir den Eduard nicht gedacht, ich hätte ihm auch sonst im Leben das Mädel nicht gegeben, und in solche Zimmer paßt sie nicht hinein – würde sich auch nie wohl und glücklich darin fühlen. Jetzt bleibt nur noch die Frage, ob der Eduard wieder mit uns hinauswollte auf's Dorf, aber wenn er dazu Lust hätte, wär' er schon lang gekommen. Es gefällt ihm hier besser, und wie's da werden soll, das weiß ich selber nicht.«

»Und glaubst auch Du nicht, Henriette,« sagte die Gräfin jetzt zu der jungen Frau, »daß Du Dich wohl und glücklich in solchen Räumen fühlen könntest?«

»Fremd ist's schon,« sagte die Frau schüchtern – »und Alles viel zu schön und reich – Unsereins ist nicht daran gewöhnt. Ich fürcht', ich paß nicht hinein, und der Eduard wird keine Freud' an mir erleben. – O wär er doch nie so reich geworden und arm geblieben wie er war, wie gern, wie gern hätt' ich hart und schwer arbeiten wollen, mein ganzes Leben lang.«

»Aber der Eduard,« sagte da die Gräfin, während sie das junge Weib zu sich auf das Sopha niederzog, und immer noch ihre Hand in der ihren hielt, »hat doch auch Anfangs nicht in Euer Leben gepaßt. Er war nur gewohnt so zu leben, wie wir es hier thun, und hat sich doch später in die schwere Arbeit hineingefunden, nicht wahr, Henriette?«