»Ich danke Euch – schickt mir aber jetzt einmal Einen von ihnen hinunter in das Wirthshaus – die Babette mag mitgehen und das Kind heraufbringen, das unten bei der Wirthin gelassen ist – den Knaben, und sorgt zugleich dafür daß das Gepäck dieser Leute hier ins Schloß heraufkommt – die Rechnung unten soll gleich abgemacht werden.«

»Unser Gepäck hier in's Schloß?« sagte der alte Schuhmacher erstaunt – »ja was wär denn das?«

Die Gräfin winkte dem Haushofmeister zu und dieser verschwand geräuschlos durch die Thür. Der alte Schuhmacher kam aber aus seinem Erstaunen gar nicht heraus, denn bis jetzt hatte er mit der größten Verwunderung den ehrfurchtsvoll an der Thür stehenden alten Herrn betrachtet, den er Anfangs sogar für den Herrn vom Hause gehalten, weil er gar so ehrwürdig und vornehm aussah, und doch konnte das nur ein Diener sein, und dann überraschte ihn der eben gegebene Befehl – bei dem sie nicht einmal gefragt wurden – auf das Vollständigste.

»Es kann Nichts helfen,« lächelte Gräfin Alexandrine aber, sobald der Haushofmeister die Thür wieder in's Schloß gedrückt hatte, »Ihr müßt es Euch schon gefallen lassen, eine kleine Weile bei mir auszuhalten, bis wir Alles gehörig besprochen und verabredet haben, und Henriette geht dann hoffentlich gar nicht wieder nach Australien zurück.«

»Und was soll ich hier?« sagte die junge Frau wehmüthig, »was kann ich hier thun und schaffen?«

»Und was thu ich?« lächelte Alexandrine.

»Ja Sie,« sagte die junge Frau kopfschüttelnd – »Sie sind vornehm und haben viel gelernt, was aber weiß ich, ich armes dummes Ding. Eduard fühlte das auch wohl, und hat sich früher schon oft Mühe mit mir gegeben – aber es ging nicht – ich hatte andere Dinge im Kopf und er mußte es zuletzt aufgeben.«

»Und wenn Eduard Dir zu Liebe nun in dem fremden Lande hart gearbeitet hat,« sagte die Gräfin, ihr voll ins Auge sehend – »wenn er ein Bauer wurde Deinetwegen und Axt und Pflug führen lernte, würdest Du nicht ihm zu Liebe auch das hier in seiner Heimath lernen wollen, was ihn, in den Verhältnissen in denen er sich jetzt befindet, allein glücklich mit Dir machen kann.«

»Ach wie gern – wie gern,« rief Henriette – »aber wer wird sich jetzt noch mit mir armen Wesen die Mühe nehmen, es mir zu zeigen, und hab' ich überhaupt Verstand genug dafür?«

»Das laß meine Sorge sein, Henriette,« sagte Alexandrine mit tiefem Gefühl. »Als ich Dich noch nicht kannte, hat der Gedanke an Dich mir vielen, vielen Kummer bereitet – ich dachte Dich mir anders, als Du bist. Jetzt, da ich Dich vor mir sehe, da ich Dich bei mir habe, zieht auf's Neue die Hoffnung in meine Seele ein.«