»Ich glaube; ihr Gatte stand in der österreichischen Armee und ist bei Solferino geblieben – ein Rittmeister von Ostenburg.«
»Arme Frau – so jung und schön und schon einen solchen Verlust erlitten. Uebrigens wird sie wohl nicht lange Wittwe bleiben, denn an Bewerbern kann es ihr bei den jungen Leuten gewiß nicht fehlen. Der alte Obrist selbst war schon ganz entzückt von ihr – Apropos, ich habe vorhin auch einen Brief von Eduard auf meinem Zimmer gefunden – er wird morgen herüber kommen.«
»Das freut mich.«
»Wenn er nur die unglückselige Idee aufgäbe, nach Australien zurück zu gehen. Er kann sich ja dort nicht glücklich fühlen. Der hat sich auch seine Carrière recht muthwillig selbst verdorben.«
»Und wenn er nun seine Frau zu uns herüber brächte, glaubst Du nicht, daß sie sich in unser Leben, in unsere Verhältnisse finden würde?«
»Nie,« sagte Graf Galaz kopfschüttelnd – »glaube mir, mein Kind, derartige Frauen mögen gut und brav und häuslich sein und das Glück eines Mannes in ihrem eigenen Kreis begründen können, aber sie sind wie Hauslauch, der nur auf Mauerwerk und Dächern wächst; sie verlangen einen ganz bestimmten und engbegrenzten Boden für ihre Existenz. Man soll um Gotteswillen nicht versuchen, sie zu veredeln – es würde nie eine Rose daraus werden.«
Am nächsten Tag traf Eduard ein und suchte den Schwager auf dessen Zimmer auf. Er hatte ebenfalls gehört, daß fremde Damen zum Besuch da wären, und fühlte sich nicht in der Stimmung, ihnen zu begegnen. Der Graf war aber gerade zu den Damen hinüber gegangen, und zwar hatte ihn Alexandrine, als sie den Bruder in den Hof einfahren sah, herüber rufen lassen. Es wurde musicirt und Frau von Ostenburg hatte zugesagt, ihm einige Lieder zu singen.
Eduard schickte einen Diener hinüber, um dem Grafen seine Ankunft wissen zu lassen. Alexandrine ließ ihrem Bruder aber sagen, Graf Galaz könne jetzt nicht fort, und er selber sei den Damen schon angemeldet, er möge also rasch Toilette machen und in den Salon kommen.
Es war ihm nicht recht; eine Weigerung wäre aber unartig gewesen; Frau von Fermont kannte er überdieß selber recht gut und seufzend fügte er sich in das Unvermeidliche.
Als er den Salon betrat, saß Frau von Ostenburg gerade am Instrument und sang eine spanische Romanze, die sie sich selber begleitete – Graf Galaz stand neben ihr und wandte die Notenblätter um, und Frau von Fermont saß mit Alexandrine rechts auf dem Sopha. Alexandrine stand auf, ging dem Bruder leise entgegen und gab ihm die Hand, auch Frau von Fermont reichte ihm die ihrige und nickte ihm freundlich zu; aber es wurde kein Wort gesprochen, um den Gesang nicht zu stören und die Schritte selber blieben auf dem weichen Teppich überhaupt unhörbar.