Die Romanze war die Klage eines andalusischen Mädchens, das um den Geliebten trauerte, der gegen die Mauren zu Felde gezogen und sie allein gelassen hatte, und die Stimme der Sängerin zitterte, als sie leise, nur von gedämpften Accorden begleitet, das Gebet zur Jungfrau Maria um Schutz für den Fernen, sang. So ergreifend waren die Töne dabei, daß der überhaupt leicht empfänglichen Alexandrine die hellen Thränen in die Augen stiegen und selbst Eduard sich von dem wehmüthigen Lied ergriffen fühlte.

»Singt sie nicht reizend?« flüsterte ihm Frau von Fermont zu, neben der er saß.

»In der That,« erwiderte er, »ich weiß mich der Zeit nicht zu erinnern, daß ich eine so klangvolle und so zum Herzen dringende Stimme gehört hätte – und mit so tiefem Gefühl.«

Aber der Sinn des Liedes änderte sich – die Mauren waren geschlagen, der Geliebte kehrte siegreich zurück und laut jubelten jetzt die Töne und quollen aus voller, jauchzender Brust, während in der kunstvollen Begleitung der Siegesmarsch der heimziehenden Krieger immer wieder dazwischen tönte.

Jetzt endete plötzlich das Lied und die Sängerin erhob sich von ihrem Stuhl, indeß Graf Galaz ihr mit wahrhaft begeisterten Worten und voller Entzücken für den Genuß dankte. – Ihr Blick streifte durch den Saal und eine Purpurröthe legte sich über ihre Wangen und ergoß sich bis tief in den schneeigen Nacken hinab. – Ihr Blick streifte Eduard.

»Sie sind zu gütig, Herr Graf,« lächelte sie dabei, »und werden mich noch verwöhnen.«

Alexandrine aber war aufgesprungen, schlang ihre Arme um sie und küßte sie herzlich.

»Ah, Eduard,« rief der Graf, der ihn jetzt erst erblickte, »das ist schön; bist Du noch zur rechten Zeit gekommen?«

»Ich hatte das Glück, dem seelenvollen Vortrag zu lauschen,« sagte der junge Mann, während sein Blick starr an den Zügen der fremden Dame hing.

»Nicht wahr, das ist ein Genuß? – aber ich habe Dich noch nicht einmal vorgestellt. Gnädige Frau, mein Schwager, Eduard von Benner – Frau von Ostenburg, die uns die Freude gemacht hat, unsere Einsamkeit ein paar Tage mit uns zu theilen.«