»Ich habe eine solche Aehnlichkeit bei zwei verschiedenen Personen nicht für möglich gehalten,« sagte Eduard, noch ganz verstört. –

»Das kommt ja vor,« lachte Galaz, »und vor vierzehn Tagen ist es mir genau so in der Residenz mit einer vollkommen fremden Dame gegangen, die ich geradezu wie eine alte Bekannte ansprach, und die mich dann furchtbar kalt und stolz ablaufen ließ. Ich war nur froh, als ich mich mit einer verlegenen Entschuldigung zurückziehen konnte.«

»Aber hier –« sagte Eduard – »das Gesicht hat etwas Fremdes, ja, aber ich kann nicht sagen, worin es liegt, und diese Augen, dieser Mund, das Haar, der ganze Wuchs – nur etwas voller und eleganter. Ich weiß, es ist nicht möglich und doch glaub' ich, könnt' ich den Verstand verlieren, wenn ich lange in ihrer Nähe sein müßte.«

»Das wird wohl verschiedenen Leuten so gehen,« lachte Graf Galaz, »denn sie hat wirklich etwas Bezauberndes, diese reizende Sirene. Aber komm, wir dürfen uns hier nicht so lange flüsternd unterhalten. Alexandrine hat schon ein paar Mal herüber gesehen.«

Sie schlossen sich jetzt den Damen an und Frau von Ostenburg erröthete tief, als Eduard sie anredete, antwortete ihm aber unbefangen und frug ihn, da sie gehört, daß er schon so weite Reisen gemacht, ob er sich denn jetzt recht wohl und glücklich in der Heimath fühle, oder ob – wie das so oft der Fall sei – die Unruhe ihn wieder hinaus in das wilde Leben dränge.

Und diese Stimme – Eduard war so befangen, daß er nur ganz verworrene, kaum verständliche Antworten gab, und endlich, ärgerlich über sich selber, gerade diesem liebenswürdigen Wesen gegenüber eine so unglückliche Rolle zu spielen, all seine Sinne zusammen nahm, und fest entschlossen war, sich nicht mehr von einem so wirren Wahn befangen zu lassen.

Die Unterhaltung kam dadurch besser in Gang, wurde aber immer noch in französischer Sprache geführt, die auch der jungen Frau von Fermont geläufiger, als die deutsche schien.

Indessen wurden Erfrischungen herumgereicht und Eduard benutzte den Moment. Seiner Schwester Arm ergreifend flüsterte er ihr leise zu:

»Du hast immer gewünscht meine Frau kennen zu lernen. Sieh sie denn, wie sie leibt und lebt.«

»Wen?« frug Alexandrine erstaunt, »Frau von Ostenburg?«