Stell ich hier mich wiederum ein –

Bin i dann, bin i dann Dein Schätzle noch –«

Die Sängerin schwieg plötzlich – kein Laut regte sich im Saal, aber Eduard seiner Sinne kaum mehr mächtig und seiner fast unbewußt, rief flüsternd:

»Henriette!«

Die Sängerin stand auf – sie sah leichenblaß aus.

»Gnädige Frau, Ihnen ist unwohl!« rief Graf Galaz bestürzt.

Sie schüttelte langsam den Kopf und wandte sich der Thüre zu – noch einmal suchte ihr Blick Eduard, der – wild zu ihr hinüberstarrend, mitten in der Stube stand – aber da hielt sie sich nicht länger.

»Eduard! Eduard!« rief sie, flog auf ihn zu, umschlang seinen Nacken mit wilder Leidenschaftlichkeit und preßte heiße, brennende Küsse auf seine Lippen.

»Henriette, mein Weib! mein Weib!« – mehr vermochte er nicht zu rufen. Er wußte nicht ob er wache, oder von einem wilden, fabelhaften Traume befangen sei – und selbst die Möglichkeit konnte er sich nicht denken, daß er jetzt lebe, daß er athme.

Graf Galaz – während die kleine lebendige Frau von Fermont vor lauter Freude und Rührung laut schluchzte – war kaum weniger erstaunt über diese Scene, als Eduard selber; aber Alexandrine löste ihm mit wenigen raschen Worten das Räthsel, und während er jetzt nur, überrascht und doch voller Bewunderung, das reizende junge Weib betrachtete, das sich mit solcher Energie und Ausdauer aus ihrer Sphäre herausgearbeitet, um jetzt eine Zierde der höchsten geworden zu sein, verließ seine Gattin leise das Zimmer.