»Wer redete mir denn neulich einmal von Hauslauch, der auf Dächern und Mauerwerk wächst, und den man nie versuchen sollte zu veredeln – es würde nie eine Rose daraus werden? – Nun, mein Herr Gärtner?«
»Wenn Du Zauberkünste treibst, mein liebes Kind,« sagte der Graf, sie an sich pressend, »dann freilich muß ich mich besiegt erkennen.«
»Keine Zauberkünste,« lächelte aber freundlich die Gräfin, »glaube mir Rudolph, jedes Mädchen, jede Frau hat das Zeug zu einer Dame in sich, wenn ihr Gelegenheit geboten wird sich auszubilden – mit Deinem starken Geschlecht aber geb' ich Dir Recht, aus einem Bauern wird sich nie ein Graf machen lassen.«
Eduard dachte jetzt natürlich nicht mehr daran, Deutschland wieder zu verlassen, ja, Graf Galaz selber war Feuer und Flamme dafür, die junge Frau in die Gesellschaft einzuführen. Anfangs zwar hatte das junge Paar noch hie und da ein durch das frühere Gerücht gewecktes Vorurtheil zu besiegen, aber die junge Frau eroberte sich die Herzen im Sturm. Selbst die Enkelburg konnte nicht lange diesem liebenswürdigen Wesen widerstehen. Der alte Comthur war allerdings leicht und bald gewonnen; Hedwig aber, vielleicht gerade aus dem Grund, weil sie keinen Grund angeben konnte, hielt sich noch am längsten scheu von ihnen zurück. Henriettens natürliche und herzliche Einfachheit, mit dem bescheidensten Auftreten gepaart, trug jedoch zuletzt auch über sie den Sieg davon, und jetzt ist in der kleinen Colonie von Rittergütern kein Fest, kein fröhliches Beisammensein irgendwo denkbar, wenn Henriette nicht dabei erscheinen kann.
Allerdings wollte Eduard, als er nur erst einmal festen Boden gefaßt, auch die Eltern seiner Frau herüber nach Deutschland ziehen, und dem Vater, der ein tüchtiger Landwirth war, eines von seinen Gütern übergeben. Die Mutter wäre auch wahrscheinlich gern gekommen, aber der alte Schuhmacher schlug jede solche Aufforderung hartnäckig ab. Er behauptete zwar immer nur, er hätte sich so an die Kakadusuppe gewöhnt, daß er nicht ohne dieselbe leben könne: er meinte aber mit derselben nur das freie unabhängige australische Leben, das er nicht mehr entbehren konnte und wollte. Er flickt allerdings für die australischen Bauern keine Schuhe mehr, aber er hat sich, von Benner dabei unterstützt, noch ein paar Sectionen Land zu seinem eigenen gekauft und ist jetzt einer der größten Weizenbauern im ganzen Tanundadistrict.
Der Gevatterbrief.
Geschichte zur Warnung für Jedermann.
Der geheime Regierungsrath von Fischer in – saß Morgens in seinem Studirzimmer, als der Diener ihm ein kleines zierlich gefaltetes Briefchen hereinbrachte, das keinen Poststempel trug.
»Von wem?« frug der Regierungsrath, zu gleicher Zeit die Papierscheere aufnehmend.
»Ein Bäckergesell hat ihn gebracht und bittet um Antwort.«
»Ein Bäckergesell?« murmelte der würdige Mann vor sich hin, »was habe ich denn eigentlich mit einem Bäckergesellen zu thun?« Nichtsdestoweniger öffnete er das kleine Schreiben das seine richtige Adresse trug, und überflog den Inhalt.