»Hm, hm, hm, hm,« schüttelte er aber dabei den Kopf – es mußte etwas ganz Absonderliches in dem Briefe stehen – »hm, hm, hm, hm, das ist doch merkwürdig – sehr merkwürdig – der Bursche soll warten,« sagte er dann zu dem Diener, der sich mit einer Verbeugung verabschiedete und der geheime Regierungsrath, der sich doch nicht allein zu rathen wußte, stand auf und ging in das Zimmer seiner Frau hinüber, um dieser den etwas absonderlichen Inhalt des Briefes mitzutheilen. Der Inhalt war aber eigentlich gar nicht so absonderlich, sondern lautete nur einfach:
»Der Himmel hat meine liebe Frau, Sophie, vor acht Tagen mit einem gesunden, kräftigen Knäblein beschenkt und meine Bitte geht an Sie, verehrter Herr Regierungsrath, dasselbe am nächsten Sonntag aus der Taufe zu heben. Sie würden dadurch unendlich verbinden
Ihren
Ihnen gehorsamst ergebenen
Jacob Hellmann, Bäckermeister.
Die Taufe ist 11 Uhr Morgens, hohe Gasse Nr. 17, 1 Treppe.«
»Sieh 'mal, Louise,« sagte der Regierungsrath, als er das Zimmer seiner Frau betrat und ihr den Brief entgegen hielt. »Dieses Schreiben habe ich eben bekommen und der Bäckerbursche wartet auf Antwort.«
»Ich habe Nichts bestellt,« sagte die Frau Regierungsräthin.
»Nein, die Sache betrifft auch kein Backwerk,« erwiederte ihr Mann, »lies nur einmal den Brief.«
»Um Gottes Willen, wie kommst Du dazu?« rief aber seine Frau indignirt, als sie die Zeilen erstaunt durchgelesen hatte – »laß' Du das die Leute einmal merken, daß Du Gevatter stehst und Du kannst die Kinder sämmtlicher Innungen aus der Taufe heben.«
»Hm, ja, das ist schon wahr – aber was soll ich thun?« sagte ihr Mann verlegen.
»Was Du thun sollst? – danken; das ist eine einfache Bettelei.«