»Doch wohl nicht,« schüttelte der Regierungsrath bedenklich mit dem Kopfe, »der Bäcker Hellmann ist einer der reichsten und angesehensten Bürger in der Stadt; der Mann hat viel Geld und noch mehr Freunde, ich begreife deshalb auch gar nicht, wie er in dieser unglückseligen Geschichte gerade auf mich fallen konnte; hm, hm, das ist mir doch ungemein fatal.«

»Aber ich sehe nicht ein, weshalb Du so große Umstände machen willst,« sagte seine Frau, »was kann Dir der Bäcker Hellmann nützen?«

»Ja liebes Kind, das ist eine eigene Sache,« meinte der Regierungsrath, »ich – ich möchte ihn doch auch nicht gerade vor den Kopf stoßen. – Dieß leidige Gevatterstehen ist doch eine furchtbare Einrichtung und trotzdem giebt es solche glückselige Menschen, die sich etwas derartiges noch zur Ehre rechnen und dadurch befangen genug werden zu glauben, sie ehrten den Eingeladenen ebenfalls.«

»So werde krank an dem Tage.«

»Das geht auch nicht,« sagte der Regierungsrath kopfschüttelnd, »sieh nur den Datum an, es ist derselbe Abend an dem der Tannhäuser zum ersten Mal gegeben wird und wir müssen die Vorstellung, zu der ich für uns die Plätze schon bestellt habe, dann ebenfalls versäumen.«

»Nein, das geht auf keinen Fall,« sagte die Frau Regierungsräthin.

»Dann wird mir wahrhaftig nichts weiter übrig bleiben, als die Einladung anzunehmen,« seufzte ihr Mann, »aber fünf Thaler gäb' ich darum, wenn ich wüßte, wer den Menschen auf den unglückseligen Gedanken gebracht hat, gerade mich zu wählen – und das kostet dabei wieder ein Heidengeld.«

»Thu' was Du willst,« sagte die Frau Regierungsräthin, »aber soviel weiß ich, wenn ich eingeladen wäre, ich ginge nicht

Ihr Mann schüttelte mit dem Kopf, ging noch ein paar Mal mit auf den Rücken gelegten Händen im Zimmer auf und ab und dann wieder zurück in seine eigene Studirstube, wo er einen Briefbogen aus dem Gefach nahm und schrieb:

Verehrter Herr!