Es wird mir zur großen Freude gereichen, Ihrer Einladung zu dem glücklichen Feste – zu dem ich Ihrer werthen Frau Gemahlin meine besten Glückwünsche darzubringen mir erlaube – Folge zu leisten. Ich werde mich pünktlich einfinden und zeichne mich indessen hochachtungsvoll als

Ihren
ergebensten Diener
Johann v. Fischer, geh. Regierungsrath.

Der Tag kam; Herr von Fischer hatte die nöthigen Erkundigungen eingezogen und seiner Mitgevatterin ein Körbchen mit sehr schönen Blumen und Handschuhen gesandt. Die Feier selber fand im Hause des Bäckermeisters statt und nach der Ceremonie, zu der noch eine Anzahl Gäste geladen war, führte Herr Hellmann, der seinen Gevatter auf's Herzlichste empfangen hatte, sämmtliche Eingeladene in das Speisezimmer hinüber. Die Tafel war gedeckt und brach fast unter der Last der Speisen und Getränke; der geheime Regierungsrath hatte den Ehrenplatz am Tische und da der Wein ausgezeichnet und von Fischer ein Kenner war, fing er sich nach der ersten halben Stunde schon an wohler, und nicht lange nachher auch behaglich zu fühlen. Die etwas gemischte Gesellschaft bestand dabei aus höchst liebenswürdigen, jovialen Menschen und es wurde erzählt und gelacht und ein Toast nach dem anderen ausgebracht; ja der Regierungsrath, der den ersten auf das Wohl der Wöchnerin getrunken, thaute ordentlich auf; er lachte und erzählte mit und amüsirte sich vortrefflich.

Gegen das Ende der Mahlzeit stand auch Herr Hellmann auf, hob sein Glas und ließ den Herrn Regierungsrath und seine werthe Familie leben, und wie derselbe jubelnd getrunken war, ging er zu seinem Gast um den Tisch herum, um mit ihm anzustoßen, rückte sich dann einen Stuhl zu ihm und es entspann sich bald ein kleines Gespräch über Mahlzeit und Wein, worin der Regierungsrath sein Entzücken über beides ausdrückte, und überhaupt versicherte, sich nicht der Zeit erinnern zu können, wo er sich so gut unterhalten habe.

»Nun das freut mich wirklich herzlich, daß es Ihnen bei mir gefällt,« sagte der Bäckermeister.

»Nein wahrhaftig, mein guter Herr Hellmann, es ist Alles vorzüglich, außerordentlich – aber – aber eine Frage erlauben Sie mir wohl?«

»Bitte, mit dem größten Vergnügen, Herr Regierungsrath, wenn ich sie irgend beantworten kann.«

»Es ist mir eine Ehre gewesen, Ihren kleinen Burschen von Sohn aus der Taufe gehoben zu haben, wir essen und trinken hier ausgezeichnet, wir amüsiren uns, wie man sich nur amüsiren kann, aber –«

»Aber?«

»Aber sagen Sie mir doch, mein guter Herr Hellmann,« fuhr der Regierungsrath fort, den neben ihm Sitzenden dabei freundlich auf das Knie klopfend, »wie sind Sie gerade auf mich zum Taufpathen gefallen? – ich habe mir schon den ganzen Tag den Kopf darüber zerbrochen und kann es doch unmöglich meinen geringen Verdiensten, dem Staat gegenüber, zuschreiben.«