»Ach,« sagte der Hans, indem er den Zettel dem Vater hinüberschob, »der Herr Pfarrer drüben in Wetzlau hat ihn mir gegeben. Es stehen die Papiere d'rauf, die er haben muß, um das Aufgebot zu erlassen. Er meinte, es wäre nur der Form wegen.«
»Also beim Pfarrer ist er auch schon gewesen,« nickte der Alte seiner Frau schmunzelnd zu, indem er seine Brille aus der Tasche nahm, um den Zettel durchzulesen. »Er hat wenigstens das Gras nicht unter den Füßen wachsen lassen. Na, da wollen wir denn einmal sehen, was der Herr Pfarrer Alles verlangt. Hm, das ist ja ein ordentliches Recept, was er da geschrieben hat.«
»Aber so erzähle doch nun auch einmal, wie's gestern drüben war,« sagte die Mutter, indem sie dem Sohn den Butterteller hinschob und den duftenden Handkäse etwas näher rückte. »Sitzt der Mensch da und spricht kein Wort. Ich möchte doch auch wissen, was die Mutter sagte und das Mädel und – was sie für ein Gesicht dazu gemacht haben, alle Beide.«
»Ja, Mutter,« lachte der Hans verlegen, »was soll ich denn da erzählen? Ein vergnügtes Gesicht haben sie gemacht, und eine Flasche vom besten Rheinwein haben wir nachher getrunken. Das Lieschen weinte wohl ein Bischen, aber – das dauerte nicht lange, und die – die Frau Erlau war auch ein wenig gerührt, und fuhr sich ein paar Mal mit der Schürze nach den Augen, doch – das dauerte auch nicht lange, und dann – dann haben sie uns eine Menge guter Lehren gegeben; wenn ich aber ehrlich sein will, so weiß ich wirklich nicht mehr recht über was, denn das Lieschen guckte mich dabei mit den großen dunklen Augen an, und da – da hab' ich an ganz andere Dinge dabei gedacht, als an das, was die zukünftige Frau Schwiegermutter sagte.«
Während der Sohn sprach, saß die Mutter dabei und nickte und schmunzelte vergnügt vor sich hin.
»Also gute Lehren haben sie Euch gegeben – ja lieber Gott, junges Volk, junges Volk; leichtsinnig und obenhinaus, was kümmert sich das um gute Lehren in der Brautzeit! Das weiß Alles besser, und – muß nachher doch Alles aus eigener Erfahrung und oft mit vieler Trübsal kennen lernen. Hören will keins.«
»Papperlapapp, Alte,« brummte der Vater, indem er sein Käppchen rückte und sich in den grauen Haaren kratzte, ohne aber die Augen von dem Papier zu nehmen – »wir haben's eben auch nicht besser gemacht in unserer Jugend; so laß das junge Volk sich nun ebenfalls die Hörner ablaufen. Wer nicht hören will, muß fühlen.«
»Ich dachte, Vater,« sagte der Sohn, als der Alte noch immer in dem Zettel studirte, »wenn ich nun selber vielleicht heut Nachmittag in die Stadt ritte, um das von den Papieren zu besorgen, was vielleicht noch fehlt. Die drei Knechte werden auch ohne mich heute mit Pflügen drüben auf der Rainerspitze fertig, wenn ich ihnen noch bis Mittag helfe, und nachher ist's doch immer besser, das ist abgemacht. Meint Ihr nicht?«
»Hm, hm, hm,« überlegte der Alte aber noch immer, indem er das kleine Papier wieder und wieder überlas – »ich fürchte beinah, daß Du in der Stadt verwünscht wenig ausrichten wirst, und ich muß am Ende noch selber hinein. Wäre mir gar nicht so besonders lieb, denn in der linken Schulter zwickt's mich wieder ganz heidenmäßig, und bei dem linken Beine hat's mich auch. Aber was kann's helfen, man muß doch jedenfalls sehen, was zu machen ist, denn die Papiere müssen geschafft werden.«
»Was muß er denn nur für Papiere haben?« frug die Mutter. »Sie kennen uns doch hier und wissen, daß wir ordentliche und rechtschaffene Leute sind, und unser Auskommen haben wir doch auch.«