»In der That?«
Die Frau antwortete nicht mehr; sie legte in der gewöhnlichen Weise ihre Karten auf den Tisch und während sie sich mit den gerade nicht überreinlichen Fingern der rechten Hand das Kinn strich, betrachtete sie die Kombination der verschiedenen Blätter mit leisem und prüfendem Kopfnicken.
Augustens und Paulinens Blicke hafteten jetzt wirklich mit Spannung auf den Zügen der Alten, die aber ihre Gegenwart ganz vergessen zu haben schien, wie sie selber auch in diesem Augenblick gar nicht mehr das schauerliche Lied des Schuhmachers in der nächsten Stube hörten.
Endlich brach die Alte das Schweigen und sagte:
»Jawohl – ich hab es mir gleich gedacht – das kann nur ein Hausdieb sein – aus dem Secretair heraus –«
»Hat sie Recht?« frug Auguste nur mit einem Blick über den Tisch hinüber die Freundin und diese nickte ihr halbverstohlen zu.
»Nur ein Hausdieb – aber er hat es schlau angefangen – da die Treff Sieben mit der Caro sechs, die den Coeur Buben in der Mitte haben – – aber der Bube selber war es nicht, doch hat er es fortgetragen und es wird nie wieder zum Vorschein kommen –«
»Ja aber beste Frau Heßberger,« sagte Pauline mit einem schelmischen Blick auf die Künstlerin – »daß es Jemand fortgetragen hat, wußte ich schon vorher, und jetzt möchte ich nur erfahren wer; dann ist es doch vielleicht möglich dem gestohlenen Gegenstand auf die Spur zu kommen.«
»Nicht so leicht,« sagte die Frau kopfschüttelnd – »da liegt es, die Caro zehn sagt es deutlich – ein Corallen-Halsband mit goldenem Schloß – das ist leicht versteckt. – Aber der Dieb hat seine Spuren zurückgelassen – da gehen sie Treff zwei, Pike zwei, Treff vier, Pike vier, – deutlich hin zu der Pike-Dame – ich sehe ein Mädchen mit grünem Band auf der Haube, die etwas in die Taschen steckt und dann langsam die Straße hinunter geht. –«
»In den Karten?«