»Dort unten an der Ecke trifft sie mit dem Coeurbuben zusammen – aber den kann ich nicht deutlich erkennen,« fuhr die Frau fort, ohne den Einwurf zu beantworten. »Er ist zu weit entfernt.«

»Also die Pike-Dame mit dem grünen Band auf der Haube,« nickte Pauline lächelnd, »da wäre schon eine ziemlich deutliche Spur gefunden, denn ich kenne eine junge Dame, die ein grünes Band auf der Haube trägt. – Wenn wir nur den Coeur Buben ausfindig machen könnten, dem sie das Gestohlene gegeben hat.«

»Das ist nicht so leicht,« sagte die Kartenschlägerin, die ihre Blätter indessen aufmerksam betrachtet hatte – »hier zieht sich eine lange Linie von Treff und Pike zwischen ihm und Ihrer Karte durch, Frau Hofräthin. – Er kann nur durch die Pike-Dame mit dem grünen Band ermittelt werden.«

»Der Wink ist deutlich genug, und ich werde ihn befolgen,« lächelte die Hofräthin – »herzlichen Dank Frau Heßberger – Sie haben mir gezeigt, daß Sie in Ihrer Kunst Meisterin sind« und dabei drückte sie der geschmeichelten Schusters Frau einen harten Thaler in die Hand.

»Und soll ich Ihnen auch sagen, was Sie wissen möchten, Frau Justizräthin?« wandte sich die Kartenkünstlerin jetzt an Auguste, die ein wohl aufmerksamer, aber bis dahin doch theilnahmloser Zuschauer des Ganzen gewesen war. Sie hatte dabei die über den Tisch gelegten Karten wieder zusammengerafft und fing von Neuem an zu mischen.

»Ich danke Ihnen sehr,« sagte aber Auguste, fast ängstlich, »ich – ich habe meine Freundin nur begleitet.«

»Und doch liegt Ihnen etwas auf dem Herzen, Kind, was Sie um Alles in der Welt davon herunter haben möchten,« fuhr die Frau geschwätzig fort, ohne sich irre machen zu lassen. – »Da heben Sie nur einmal ab, die alte Heßbergern weiß oft mehr, als andere Leute zu glauben scheinen.«

Augusten war es, als ob ihr Jemand einen Stich ins Herz gegeben. – Oh, wohl lag ihr etwas auf dem Herzen – aber was wußte die Frau davon – was konnte sie davon wissen.

»Heben Sie nur ab, Frau Justizräthin,« drängte die Alte »– es ist ja nichts Unrechtes, was man damit thut. – Was wir vom Schicksal nicht erfahren sollen, erfahren wir doch nicht, so viel Mühe wir uns auch damit geben.«

»So thu ihr doch den Willen,« lächelte Pauline – »oder soll ich für Dich abheben?«