»Aber lieber Herzensschatz,« nahm hier Pauline das Wort, nachdem sie sich vorher überzeugt hatte, daß sie allein im Zimmer waren – »wie, um Gottes Willen hat Dich das Gewäsch der alten Kaffeeschwester auch nur im Mindesten aufregen können. Du bist doch vernünftig genug an derlei Unsinn nicht wirklich zu glauben.«

»Wir hätten gar nicht hinauf gehen sollen,« sagte Auguste leise – »ich wußte vorher wie es werden würde.«

»Aber soll man sich denn nicht einmal derartige Dinge mit ansehen? Ist es denn nicht interessant zu beobachten wie die Menschen einander betrügen und wie sie betrogen sein wollen?«

»Aber hat sie Dir denn nicht von Deinem verlorenen Schmuck gesagt? Woher konnte Sie das wissen?«

»Woher?« lachte Pauline, »als ob derartiges Volk nicht überall herum spionirte, und mit ein klein wenig Mutterwitz begabt, leicht im Stande wäre, irgend etwas Glaubbares hinzustellen. Die Phantasie der Gläubigen trägt freiwillig dazu bei und der Ruf einer Prophetin ist fix und fertig. – Denkst Du nicht, daß sie bei meinen Dienstboten schon herum gehorcht hat, ja zehn gegen eins möchte ich wetten, daß ein' oder die andere Person schon bei ihr gewesen ist, um sich Raths zu erholen; aber das will ich schon herausbekommen, verlaß Dich darauf.«

»Und die Frau mit der grünen Schleife?«

»Es geht allerdings eine Wäscherin bei uns aus und ein,« sagte die Hofräthin, »die eine grüne Schleife auf der Haube trägt, und der wird sie oft genug begegnet sein. Ich habe aber nicht den geringsten Grund auf die in jeder Hinsicht achtbare Person irgend einen Verdacht zu werfen. Jedenfalls hat sie auch nur ganz auf gut Glück hin die genannt, eben so wie bei Dir den Mann im grauen Rock.«

»Nein, nein,« rief aber Auguste rasch und heftig und warf den Blick dabei scheu umher – »da liegt ein tieferes Geheimniß zum Grunde und das gerade drohte mir da oben die Besinnung zu rauben.«

»Es war so dumpf und heiß in der Stube, daß mir selber fast unwohl geworden ist,« sagte die Hofräthin.

»Der graue Mann existirt,« flüsterte da Auguste »und unerklärlich bleibt es mir, wie sie davon wissen konnte, denn gegen keinen Menschen in der Welt habe ich mich darüber ausgesprochen, als gegen meinen Mann.«